Witbooi-Bibel und Peitsche dürfen übergeben werden

s:50:"Bibel und Peitsche von Hendrik Witbooi (1830-1905)";
Bibel und Peitsche von Hendrik Witbooi (1830-1905)
Stuttgart (epd)

Die Witbooi-Bibel und eine Peitsche dürfen an den Staat Namibia zurückgeben werden. Der baden-württembergische Verfassungsgerichtshof wies einen Antrag der Vereinigung der Nama-Stammesältesten (NTLA) in Stuttgart zurück. Die Angehörigen des Volkes Nama hatten die Übergabe der geraubten Familienbibel und der Viehpeitsche des namibischen Nationalhelden Hendrik Witbooi (1834-1905) am 1. März verhindern wollen. "Es ist weder dargelegt noch ersichtlich, in welchen Rechten die Stammesältesten durch die bevorstehende Rückgabe an die namibische Regierung verletzt sein sollten", heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts. Es spreche viel dafür, dass es sich um einen Rechtsstreit handle, der innerhalb Namibias zu klären sein dürfte.

Die Stammesältesten hatten den Erlass einer einstweiligen Anordnung beantragt, weil sie der Ansicht sind, dass die Objekte ihrem Volk zustünden. Zudem fühlten sie sich bei den Verhandlungen der namibischen Regierung mit Deutschland nicht ausreichend eingebunden.

Beide Objekte kamen im Jahr 1902 als Schenkung ins Stuttgarter Linden-Museum. Namibia war von 1884 bis 1915 die Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Hendrik Witbooi war während der deutschen Kolonialzeit "Kaptein" und einer der wichtigsten Anführer der Nama-Gruppen. Die Familienbibel war sehr wahrscheinlich im Jahr 1893 bei einem Angriff auf den Hauptsitz Witboois von deutschen Kolonialtruppen erbeutet worden. Bei dem Angriff gingen die Kolonialtruppen mit größter Brutalität vor, auch viele Frauen und Kinder wurden getötet.

Am Montag hatte das Ministerium mitgeteilt: "Vertreter der Familie Witbooi haben bei Gesprächen ausdrücklich erklärt, dass sie angesichts der nationalen Bedeutung Hendrik Witboois mit einer Abgabe der Objekte in staatliche Obhut einverstanden sind." Seit 2013 habe Namibia um die Rückgabe des in der Nama-Sprache verfassten Neuen Testamentes gebeten.

Innerhalb der Nama gebe es offenbar unterschiedliche Positionen: "Nama-Verbände wie die NTLA protestieren gegen die Rückgabe, andere bitten uns darum, unbedingt an den besprochenen Plänen festzuhalten, da viele ältere Angehörige der Witbooi und Nama die Bibel noch sehen möchten", hieß es in der Pressemitteilung.