Von Archäologie-Hunden und Affen-Assistenten

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Auch in Deutschland helfen Hunde in der Therapie.
Bestseller-Autor stellt "tierische Jobs" vor
Karlsruhe/Darmstadt (epd)

Affen als Haushaltshilfen, Hunde als Archäologen oder Riesenratten als Labormitarbeiter - auch zahlreiche Tiere haben ein Berufsleben. Der Karlsruher Bestseller-Autor Mario Ludwig stellt in seinem am 1. Juli erschienenen Buch "Tierische Jobs. Verblüffende Geschichten aus der Tierwelt" spannende Beispiele aus aller Welt vor.

So gehen beispielsweise Kapuzineraffen in den USA seit einigen Jahren querschnittsgelähmten Menschen zur Hand. In einer rund 40.000 Dollar teuren Ausbildung lernen die Affen rund 30 Handreichungen: etwa Brille aufsetzen, an einer juckenden Stelle kratzen, Zeitungsseite umblättern, Flaschen zu öffnen, CDs zu wechseln oder den Müll hinunterzubringen. Doch ihre therapeutische Wirkung ist noch viel größer. Ludwig zitiert einen Kriegsveteranen, der im Irakkrieg beide Beine verloren hat, mit folgenden Worten: "Der Affe ist der einzige, der mich so nimmt, wie ich bin, und mich nicht als Behinderten sieht."

Die Kapuzineraffen, die bis zu 40 Jahre alt werden, eignen sich besonders für diese Tätigkeit, da sie neben ihrer Intelligenz ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten haben. Wobei nicht jeder Affe zu jedem Menschen passt, erklärt Ludwig. Einige Affen kommen beispielsweise mit Frauen besser klar als mit Männern und umgekehrt. Manche Affen brauchen einen ruhigen Partner, andere einen eher temperamentvollen. "Da muss genau hingeschaut werden", so der Autor.

Und es gibt auch Kritiker: Tierschützer verurteilen es, dass die Affen alleine in Wohnungen gehalten werden. In der freien Natur lebten sie in Gruppen in den Wäldern Südamerikas. In Deutschland wird es diese Form der Unterstützung auch in absehbarer Zeit nicht geben: Das Halten von Affen in Privathaushalten unterliegt strengen Auflagen.

Ein anderer Arbeitsbereich für Tiere sind seit 2012 die Altertumswissenschaften: ein Australier hatte seinen Hund, einen Labrador-Mastiff-Mix, darauf trainiert nach fossilen menschlichen Knochen zu suchen. Als "Übungsmaterial" dienten 250 Jahre alte Knochen einer Grabstätte. Nach sechs Monaten Trainig hatte der Hund mittels Belohnungsprinzip gelernt, den Geruch von menschlichen und tierischen Knochen zu unterscheiden und diese auch tief in der Erde zu lokalisieren.

Inzwischen gibt es auch in den USA und Europa mehrere Archäologie-Hunde, so Ludwig. In Deutschland lebt etwa der Altdeutsche Hütehund "Flintstone". Er ist auf Knochen spezialisiert, die aus dem Zeitraum 2000 vor bis 600 nach Christus stammen, und kann Knochen in bis zu 2,50 Meter Tiefe aufspüren. "Vor Kurzem hat Flintstone ein Römergrab im Kreis Ebersberg entdeckt. Kurz danach machte er in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Rosenheim weitere archäologische Entdeckungen", schreibt Ludwig, der als einer der bekanntesten Naturbuch-Autoren Deutschlands gilt.

Auch in der Entwicklungshilfe können Tiere zunehmend wichtige Beiträge leisten. Einer ist zum Beispiel die Diagnostizierung von Tuberkulose. "Tag für Tag sterben rund 4.500 Menschen an der Lungenseuche, die meisten davon in Afrika", berichtet Ludwig. Ein Großteil der Tuberkulose-Todesfälle sei darauf zurückzuführen, dass die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt wird. Moderne Tests sind für Menschen in Entwicklungsländern unerschwinglich. Daher wird beispielsweise in Tansania mit Lichtmikroskopen gearbeitet, die aber ziemlich ungenau sind.

Helfen können die größten Ratten der Welt, die Gambia-Riesenhamsterratten. Dank ihres überragenden Geruchssinns können sie Tuberkuloseerreger in Speichelproben identifizieren. "In Sachen Geschwindigkeit sind sie menschlichen Labormitarbeitern dabei weit überlegen: Ein Mitarbeiter braucht zwei Tage um 100 Proben zu untersuchen, eine Ratte nur 20 Minuten", erklärt Biologe Ludwig.

In Tansania läuft derzeit ein Projekt, bei dem die Ratten als "Sicherheits-Backup" Speichelproben aus Krankenhäusern erneut untersuchen. Bislang haben die Nagetiere fast 350.000 Speichelproben untersucht und dabei über 9.000 fälschlicherweise als gesund eingestufte Tuberkulosepatienten identifiziert. Die Ausbildung der Tiere dauert ein halbes Jahr und kostet 6.000 bis 7.000 Euro. Danach arbeiten die Tiere etwa acht Jahre.

Von Leonie Mielke (epd)