Vom Knallfunksender zum Smartphone
Ausstellungs - Poster
Der Radioapparat hält in den 1950-er und 1960- er Jahren Einzug in deutsche Haushalte.
Technoseum Mannheim zeigt Sonderausstellung zu Rundfunkgeschichte
Mannheim (epd)

Mit den Worten «Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin im Vox-Haus auf Welle 400» ging die «Funk-Stunde AG» als erster offizieller Radiosender in Deutschland auf Sendung. Das war am 29. Oktober 1923. In der Sonderausstellung «Auf Empfang! Die Geschichte von Radio und Fernsehen» zeigt das Technoseum in Mannheim nun einhundert Jahre deutsche Rundfunkgeschichte.

Die Ausstellung erinnert an die wichtigsten Stationen der deutschen Rundfunklandschaft: von der Geburtsstunde 1923 über den Aufstieg von Hörfunk und Fernsehen zu Massenmedien bis zu Social-Media-Plattformen, die den Medienkonsum der Gegenwart prägen. Die Schau ist vom 17. November 2022 bis 12. November 2023 zu sehen.

Mit einem kleinen Mikrofon eine Vielzahl von - abwesenden - Menschen zu erreichen, das war die revolutionäre Technik des Rundfunks. Von Beginn an war er ein mächtiges Instrument und ist es bis heute geblieben. Von den Nationalsozialisten zur Propaganda missbraucht, sollte der Rundfunk nach dem Zweiten Weltkrieg auf Betreiben der USA «staatsfern» betrieben werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk entstand.

«Der Hörfunk wird weiterhin einen festen Platz in der Medienlandschaft haben», sagte Jens Bortloff gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der kommissarische Leiter des Technoseums hob die Schnelligkeit und den Livecharakter der Radiosender etwa gegenüber Podcasts hervor. Die Sonderausstellung zeigt Rundfunk und Fernsehen aus drei Perspektiven: des Nutzers, von Handel und Industrie sowie der Programmmacher. Zu sehen sind fast 400 Objekte.

Der Rundgang beginnt mit der frühen Funktechnik im 19.Jahrhundert und endet bei den digitalen Medien von heute. Erstmals werden in der Schau die Bestände gezeigt, die das Technoseum 2014 vom Deutschen Rundfunkarchiv und vom Südwestrundfunk übernommen hat. Leihgaben aus ganz Deutschland ergänzen die Sammlungen.

«Interessant ist, wie sich der Rundfunk im Laufe der Zeit fortwährend verändert hat», sagte die Kuratorin Anke Keller. «Die Gestaltung nutzt den Ausstellungsraum als Bühne, auf der ein räumliches Frequenzband die Rundfunkgeschichte buchstäblich sendet», erklärte Jens Ihmig vom Berliner Gestaltungsbüro «werkdesign». In die Ausstellung integriert wurden ein Hörfunkstudio des Südwestrundrunks (SWR) aus den 1960-er Jahren, eine Sende-Bildregie des Rhein-Neckar Fernsehens aus den 90-ern und ein Original-Film-Set aus der Serie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten».

Kurios: der rote Knopf, auf den Willy Brandt 1967 in einer Live-Sendung drückte, um die Ära des Farbfernsehens einzuläuten. Dumm gelaufen! Der Knopf war eine Attrappe. Den echten Schalter bediente ein Techniker hinter der Bühne, und zwar zu früh. Millionen Zuschauer konnten den damaligen Bundeskanzler schon vor dem Knopfdruck in Farbe sehen.

Zwölf Mitmach-Stationen laden in der Ausstellung dazu ein, sich beispielsweise vor ein Greenscreen zu stellen und Live-Atmosphäre beim Fernsehen zu schnuppern. Als TV-Helden sind die «Augsburger Puppenkiste», das «Sandmännchen» (Ost und West) sowie die «Sendung mit der Maus» vor Ort.

Beim Faktenchecker-Spiel lassen sich Falschnachrichten analysieren und die eigene Medienkompetenz überprüfen. Das Technoseum bietet Führungen durch einhundert Jahre Mediengeschichte an. Die Ausstellung kann in deutscher Gebärdensprache oder als Tastführung erlebt werden.

 

Von Susanne Lohse (epd)