Streifzug durch eine Metropole

Akt mit Blumenkorb
Kees van Dongen: Akt mit Blumenkorb
Kunsthalle Würth zeigt Werkschau über Kunst in Paris
Schwäbisch Hall (epd)

Sie zählen zu den Stars der internationalen Szene und haben mit ihren Werken die Kunst revolutioniert: Henri Matisse, Marc Chagall, Pablo Picasso, Georges Braques oder Kees van Dongen haben im vergangenen Jahrhundert von Paris aus unterschiedlichste Kunstgattungen kreiert. Das Museum Würth in Schwäbisch Hall zeigt nun eine umfassende Werkschau jener Künstler unter dem Titel "Von Henri Matisse bis Louise Bourgeois" mit rund 200 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen. Die meisten Werke stammen aus dem Musée d'Art moderne de la Ville in Paris und sind von 15. April bis 15. September zu sehen.

Ergänzt wird die für die Kunsthalle Würth konzipierte Gastausstellung durch Werke der hauseigenen Sammlung. Doch nicht nur die internationalen Publikumsmagnete werden gezeigt. Zu sehen sind auch Pariser Größen wie Léonard Foujita, Moïse Kisling oder Jean Crotti, deren Werke in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. "Damit entsteht nochmals eine ganz andere Sichtweise auf die Pariser Kunstszene", sagt Kuratorin Beate Elsen-Schwedler.

Die Werke aus dem Musée d'Art moderne de la Ville dokumentieren die Geschichte der Stadt Paris von 1900 bis in die Gegenwart, sagt Elsen-Schwedler. Es sei die bislang umfangreichste Präsentation der renommierten Sammlung außerhalb der eigenen Wände in Paris, betont die Kuratorin. Gezeigt werden Werke berühmter Maler vor allem aus den Bereichen der Klassischen Moderne, der École de Paris und des Nouveau Réalisme.

Die Ausstellung entfalte einen Streifzug durch die Geschichte von Paris als Weltmetropole der Kunst von 1900 bis zur Gegenwart, hieß es weiter. Die ausdrucksstarken und größtenteils leuchtfarbenen Werke dokumentieren insbesondere die Entwicklung der Pariser Kunst von den Fauvisten über den Kubismus bis hin zur Moderne.

"Paris erwies sich über Jahrzehnte als Brutstätte der internationalen künstlerischen Avantgarde", betonte Jaqueline Munck, Mitkuratorin aus dem Pariser Museum. Dies bezeugten Werke unter anderem von Yves Klein wie dessen Skulptur "Blaue Venus" (1962). Gezeigt wird auch eine der berühmtesten Skulpturen der Gegenwart, das monumentale Werk "Spinne" von Louise Bourgeois aus dem Jahr 1995.

Zu den Highlights der Ausstellung zählen die einst als "wilde Bestien" betitelten Fauvisten rund um das Künstlergenie Henri Matisse. Zu ihnen gehört Maurice de Vlaminck, von dem das Bild "Seineufer in Chatou" von 1906 zu sehen ist. Rote Bäume und blaue Schatten zeigen, dass die Farbe dieser Kunstgattung nicht mehr nur zur Abbildung des Motives dient, sondern selbst Ausdrucksmittel ist.

Umfassend beleuchtet wird laut Jaqueline Munck auch die Phase des Kubismus, erfunden von Pablo Picasso und Georges Braques. "Hier wird alles Organische geometrisch aufgelöst und aus mehreren Perspektiven gleichzeitig dargestellt", betonen die beiden Kuratorinnen. Dies belegen vor allem Picassos "Der alte Tresterband" von 1914 und Braques "Frauenkopf" von 1909.

"Paris erwies sich über Jahrzehnte als verlässliche Brutstätte der internationalen künstlerischen Avantgarde", sagt Beate Elsen-Schwedler. Die École de Paris zog Künstler an wie Marc Chagall, Amedeo Modigliani, Kees van Dongen oder Natalja Gontscharowa. "Viele Künstler kamen arm nach Paris", sagt Jaqueline Munck, und hätten teils erst nach ihrem Tod internationales Ansehen erreicht.