Rizzi-Werke zum Teil erstmals öffentlich

Die Heilbronner Stadtbahn - mit Motiven von James Rizzi.
Die Heilbronner Stadtbahn - mit Motiven von James Rizzi.
Ein Gesamtbild der Kunst James Rizzis in der Balinger Stadthalle
Balingen (epd)

"Ein Leben für die Kunst" heißt die Ausstellung in der Balinger Stadthalle, in der sich nicht nur die heiteren und farbenfrohen 3-D-Wimmel Bilder von James Rizzi entdecken lassen. Denn unter den 1.200 Exponaten sind Werke, die in seiner Studienzeit entstanden sind, und die Schau gibt auch Einblicke in die Wohnräume des New Yorker Pop Art-Künstlers. Einen eigenen Parcours für Kinder gibt es außerdem.

Die Schau, die bis 4. Oktober zu sehen bleibt, startet mit dem Mittelpunkt von Rizzis Wohnung: dem großen, grünen Tisch mit seinen gelben, grünen und pinken Stühlen. Auch seinen Blick aus dem Fenster in der Lafayette Street ist für die Besucher nachgestellt worden. An diesem Tisch saß Familienmensch Rizzi oft. Und die Familie unterstützte ihn anfangs bei der Herstellung der 3-D-Wimmelbilder.

Später wurden Cutter eingestellt. Denn viel Handarbeit ist bei den fingerkleinen Papierfiguren gefordert, die ausgeschnitten, mit Befestigungsmaterial versehen und dann einzeln im Bild zusammengefügt werden müssen. Dreidimensionalität ergibt sich auf diese Weise - diese Bilder machten Rizzi berühmt.

Die Serie "Big Apple" und das große 3-D-Bild "Love in the Heart of the City", das erstmals öffentlich gezeigt wird, sind in Balingen unter anderem zu sehen. Viel Spaß haben die Menschen auf diesen Arbeiten, doch bei Rizzi scheinen nicht nur sie, sondern alles zu lachen. So strahlen auch seine Kuchen- und Obstmotive Fröhlichkeit aus, zu denen eine großformatige Fotografie der vollgestellten Rizzi-Küche platziert wurde.

Die Schau glänzt mit einigen Raritäten. Dazu gehört Material, das bislang unentdeckt blieb. Bernhard Feil, der den Nachlass von Rizzi besitzt und die Ausstellung organisierte, macht diese Bestände nun zugänglich. Mit dabei sind zahlreiche Skizzen, die Rizzi als Kunststudent anfertigte. Manche sind während den Vorlesungen in Florida entstanden. Ebenfalls ausgestellt ist das Quadriptychon "Der Ruf der Großstadt", Rizzis Abschlussarbeit am College. Es ist eine Serie von Häuserfassaden, noch gestaltet ohne Gesichter.

In den1970er Jahren ließ sich Rizzi auch vom Art Brut-Künstler Jean Dubuffet inspirieren, wie die Arbeiten "Head Man" und "The Clown" demonstrieren. "Twins", also Zwillinge, heißen weitere Werke, die diesem Stil folgen.

Die ersten Radierungen und die späteren, farbigen Drucke, werden in einem separaten Bereich präsentiert. Eingebunden sind eine Druckerpresse und die benötigten Materialien.

"The Classics - not so Classic" heißt ein weiterer Bereich, indem Rizzis Gegenentwürfe zu großen Kunstwerken gezeigt werden. Darunter ist die Mona Lisa, die von dem Popartisten zum Blumenmädchen umstilisiert wird.

Und der Bereich "Rizzi XXX" greift seine großformatigen Werke auf. Dazu gehört die Gestaltung von drei Heilbronner Stadtbahn-Waggons: Für diese bemalte Rizzi eine 16,5 Meter große Fläche. Außerdem werden Fensterbilder für Kirchen in Essen mit einer Höhe von acht Metern gezeigt.

Für Kinder gibt es die "Kids artline", bei der handflächengroße Bilder, "Minis" genannt, auf Augenhöhe der Kinder angebracht wurden, so dass die Kleinen unabhängig von den Großen ihre eigene Ausstellung erleben können.

Auf der 700 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche fand sich auch ein Platz für Rizzis Arbeitstisch. Denn selten hat er an der Leinwand gearbeitet, wird in der Ausstellung erläutert. Dort hängen zudem die unvollendeten Werke des 2011 verstorbenen Künstlers. Mit 20.000 Besuchern rechnen die Ausstellungsmacher bis Anfang Oktober.

Von Birgit Vey (epd)