Mülleimer als Medienkunstwerk

Musik für Passanten im Fenster eines Kaufhauses.
Musik für Passanten im Fenster eines Kaufhauses.
ZKM und Stadt Karlsruhe zeigen interaktive Kunst-Installationen im öffentlichen Raum
Karlsruhe (epd)

Mit interaktiven Medienkunst-Installationen im öffentlichen Raum will das Karlsruher ZKM spielerisch und zugleich ernst auf die zunehmende Digitalisierung von Städten aufmerksam machen. Seit 8. August zeigt das Projekt "Seasons of Media Arts" Installationen, Displays, Augmented- und Virtual-Reality-Arbeiten, sagten Vertreter des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe. Die Schau wird gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Karlsruhe und verschiedenen Karlsruher Initiativen gezeigt.

Die Werke befassen sich auch mit der Entwicklung der Smart City, also der technologisch intelligenten Stadt von heute und morgen. Der durch die "Seasons of Media Arts" geschaffene virtuelle urbane Raum zeichne sich durch Interaktion und Wissensvermittlung aus, sagte ZKM-Chef Peter Weibel am Mittwoch bei der Präsentation. Zudem soll der öffentliche Zugang zu Daten thematisiert werden.

Die Digitalisierung werde die Stadt verändern, erklärte Weibel, der die Schau gemeinsam mit Lívia Nolasco-Rozsás kuratiert hat. Wichtig sei für ihn die Interaktion zwischen Bürger und Stadt, so Weibel: "Humans matter". Der durch die "Seasons of Media Arts" geschaffene virtuelle urbane Raum zeichne sich durch Interaktion und Wissensvermittlung aus.

Ein Beispiel ist Weibels eigener Beitrag "Music Passenger". Wer am Schaufenster eines Musikhauses vorbeiläuft, kann auf einem Monitor eine eigene Komposition erzeugen. Der Bildschirm zeigt digitale Notenlinien mit einem eingebauten Sensor. Eine unsichtbare Kamera erfasst vorbeigehende Passanten. Streift ihre Silhouette die Notenlinien, ertönt leise Musik.

Winzig und unscheinbar ist dagegen Dani Ploegers Werk "Post-Apocalypse Smart City Desert (2019)". Es versteckt sich als QR-Code auf ganz gewöhnlichen anthrazitfarbenen, städtischen Mülleimern. Wer den Code mit dem Smartphone abruft, sieht den vor ihm stehenden Mülleimer als Film zum Beispiel in einer Sandwüste. Die Sammelbehälter sind für den Künstler "ungeschätzte Artefakte des öffentlichen Raums". Er will damit die Ideologie der Smart Cities hinterfragen, die in seinen digitalen Visionen in der Apokalypse enden.

Provokativ und kritisch setzt sich auch Adam Harvey mit der unendlichen Datenerhebung, den Problemen der Datensicherheit und dem Schutz der Privatsphäre auseinander. Dazu hat der Künstler einen Spiegel mit der Aufschrift "Today´s selfie is tomorrow´s biometric profile" (Das Selfie von heute ist das biometrische Profil von morgen) am Eingang des Karlsruher Zoos aufgestellt.

Aber nicht nur zu Fuß, sondern auch fahrend lässt sich die Medienkunst erleben. Als nach Weibels Angaben bundesweit erste Stadt zeigt Karlsruhe Videokunst in Straßenbahnen.

Zur Schau sind Vorträge, ein Transparenzcafé und Workshops geplant. Diese sollen in einer mobilen Kreativ-Werkstatt, dem sogenannten Spacecraft_ZKM, stattfinden. Das Projekt "Seasons of Media Arts" und die Schlosslichtspiele, die ebenfalls am Donnerstagabend eröffnet werden, sind auch Teil der Bewerbung der Stadt Karlsruhe als erste deutsche Unesco-Stadt der Medienkunst.

Von Christine Süß-Demuth (epd)