Landesmuseum betreibt seit über zehn Jahren Provenienzforschung

Taufschleier
Ein Taufschleier aus dem Jahr 1775.
Karlsruhe (epd)

Die Herkunft vieler Museumsstücke wird derzeit überprüft. Anlässlich des Internationalen Tags der Provenienzforschung gab das Badische Landesmuseum in Karlsruhe in einer Mitteilung Einblicke in diese "Provenienzforschung". Seit 2010 ermittelt das Museum bei ungeklärter Herkunft von Museumsstücken, die vor 1945 entstanden sind und nach 1933 in die Museumsbestände kamen. "Im Idealfall wird aus einem 'offenen' Provenienz-Status ein 'unbedenklicher'", erklärten die Museumsexperten.

Als Beispiel führen sie einen Taufschleier aus Brüsseler Klöppelspitze aus dem Jahre 1775 an. Der kam 1969 ins Museum, verkauft von einer Elisabeth Albrecht. Er war aber 1931 nachweislich im Eigentum von Elisabeth Wolff-Merck, Gattin des den Nationalsozialisten politisch missliebigen Verlegers Kurt Wolff. Da stand die Frage im Raum, ob Elisabeth Wolff-Merck der Schleier unrechtmäßig abgenommen worden war.

Katharina Siefert ist am Landesmuseum zuständig für die Herkunftsforschung zu den Objekten. Sie konnte im Fall des Schals nachweisen, dass Elisabeth Wolff-Merck und Elisabeth Albrecht ein und dieselbe Person sind. Sie war in erster Ehe mit Kurt Wolff verheiratet. Während dieser 1933 Deutschland verlassen musste und in New York den Kunstverlag Pantheon Books gründete, blieb sie in Deutschland, denn sie hatte unterdessen schon in zweiter Ehe den Münchener Hans Albrecht geheiratet.

Sie kümmere sich gezielt um Objekte, "deren Aufnahmestatus beziehungsweise Einträge in den Inventarbüchern auffällig sind", erläuterte Siefert. Anschließend forsche sie nach Hinweisen in Archivalien, im Netz und tausche sich mit Fachkolleginnen und Fachkollegen aus. "Mit der Provenienzrecherche am Badischen Landesmuseum stellen wir uns unserer Verantwortung, Kulturgut aus 'Unrechtskontexten' zu ermitteln, aufzuarbeiten und zurückzugeben", sagte sie. Manche könnten Nachfahren der ehemaligen Besitzer zurückgegeben werden, andere landeten für weitere Recherchen in der Datenbank "Lost Art" (Verlorene Kunst).