Krimiautorin Noll mag keine Gewalt
Krimiautorin Ingrid Noll
Mit 87 Jahren schreibt Ingrid Noll immer noch Krimis.
Karlsruhe (epd)

Die Krimiautorin Ingrid Noll mag keine Gewalt. Sie auch kein Fan von TV-Krimis wie «Tatort», sagte die im badischen Weinheim lebende Bestsellerautorin am Montagabend in Karlsruhe. «Aber hin und wieder jemanden umzubringen, den ich in meinen Büchern selbst erschaffen habe, macht schon Spaß», sagte sie bei einer Konzert-Lesung mit der Rockband «Abendschön» in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe. Grundsätzlich sei sie überzeugt, dass auch im richtigen Leben jeder Mensch in der Lage sei, «finstere Dinge» zu tun.

In Zeiten von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg sei es nicht einfach, Zuversicht zu vermitteln. Sie sage ihren drei Kindern und vier Enkelkindern aber, «es wird schon wieder», erklärte Noll, die als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine einen gelben Blazer und einen blauen Schal trug. Tatsächlich hätten gerade die Kinder oft mehr Hoffnung «als wir Alten.»

Den letzten Tag ihres eigenen Lebens würde sie gerne festlich in einem schönen Klostergarten verbringen «mit gutem Essen und Trinken und meiner Familie um mich» und dann friedlich einschlafen, sagte die 87-Jährige, die als eine der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autorinnen gilt, im Gespräch mit Citykirchenpfarrer Dirk Keller.

Ihr Lieblingsgedicht sei «Der Mond ist aufgegangen» von Matthias Claudius, erklärte Noll, die erst mit Mitte 50 begann, Kriminalgeschichten zu schreiben. Auch der Choral sei wunderschön, sagte die Schriftstellerin, die früher im Kirchenchor gesungen hat.
Sie habe daraus die «schaurig schöne» Zeile «Kalt ist der Abendhauch» als Titel eines 1996 erschienen Krimis verwendet. Am 22. Oktober erscheint Nolls Roman «Tea Time» im Diogenes Verlag (Zürich).

 

Von Christine Süß-Demuth