Kirchlicher Kunstpreis geht an Georg Lutz

Filmbild The Fruits of our Land
Filmbild aus The Fruits of our Land von Georg Lutz
Stuttgart/Gammertingen-Mariaberg (epd)

Der mit 10.000 Euro dotierte Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist an den Stuttgarter Künstler Georg Lutz vergeben worden. Er erhielt die Auszeichnung in Gammertingen-Mariaberg für seinen 18-minütigen Film «The Fruits of our Land» (Die Früchte unseres Landes), teilte die Landeskirche am Sonntag mit. Der Förderpreis (3.000 Euro) ging an die Bremer Künstlerin Amina Brotz für ihre Performance «Interjunction».

Der Wettbewerb, für den 449 Beiträge eingereicht wurden, stand unter dem Thema «Kein Leben ohne und». Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, lobte in einem Grußwort den Beitrag der Kunst dazu, Menschen ein Gespür zu geben für die «Welt Gottes, in der wir Menschen und die ganze Schöpfung aufgehoben sind.» Durch den künstlerischen Ausdruck behaupteten Menschen unter allen Umständen ihre Würde.

Georg Lutz (Jahrgang 1987) besuchte mit seiner Kamera Orte von Flucht und Vertreibung - etwa Lesbos, Röszke an der Balkanroute sowie die Lager am Eurotunnel von Calais. Teilweise waren dort noch Spuren des Geschehens zu entdecken. «Das Kopfkino generiert Bilder und Vorstellungen von etwas im Grunde Unvorstellbarem», würdigte der landeskirchliche Kunstbeauftragte Johannes Koch das Werk.

Lutz machte in einer Reaktion auf die Preisverleihung darauf aufmerksam, dass Europas Grenzen zwar für Flüchtlinge aus der Ukraine offen seien, doch nach wie vor Geflüchtete im Mittelmeer ertränken oder unter unmenschlichen Zuständen in eingezäunten Camps leben müssten. Solidarität und Hilfeleistung endeten scheinbar an den Grenzen des europäischen Kontinents.

Bei der Performance «Interjunction» von Förderpreisträgerin Armina Brotz (Jahrgang 1986) wird ein langer Holzbalken 23 Stunden lang immer wieder durch die engen Flure und Treppenhäuser eines öffentlichen Gebäudes getragen. Auch in der diakonischen Behinderteneinrichtung Mariaberg hatte die Performance stattgefunden.

Was auf den ersten Blick wie eine alltägliche Handlung wirke, lenke den Blick des Betrachters darüber hinaus auf die Grundbedingungen des künstlerischen Arbeitens, sagte Brotz.

Verliehen wurden die Preise am Jubiläumstag der Mariaberger Heime, die vor 175 Jahren ihre Arbeit aufnahmen. Im Festgottesdienst predigte der Landesbischof. Der landeskirchliche Kunstpreis wird alle zwei Jahre von der Stiftung Kirche und Kunst ausgelobt.