Fett und Wasser als Inspiration

Werk von Dieter Krieg
Die Stiftskirche Baden-Baden zeigt Werke von Dieter Krieg.
Baden-Baden zeigt Kunstwerke von Dieter Krieg
Baden-Baden (epd)

Energiequellen aus Elektrizität, Fett und Wasser speisen die Werke des Malers Dieter Krieg (1937-2005), die in der Stiftskirche in Baden-Baden zu sehen sind. Im Zentrum der Präsentation "Dieter Krieg. Licht und Quell" steht das monumentale siebenteilige Gemälde "Fettquell". Bereits zum drittem Mal ist die katholische Kirche Ort einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Museum Frieder Burda, die bis 9. August bei freiem Eintritt gezeigt wird.

Kriegs "Fettquell" aus dem Jahr 1998 sei eine ironische Verbeugung vor der Kurstadt Baden-Baden, in der er einige Jahre lebte, sagte Kuratorin Judith Irrgang dem epd. Der Künstler habe sich dabei von der - nur wenige Meter von der Stiftskirche entfernten - "Fettquelle" inspirieren lassen, einer von 12 Thermalquellen der Kurorts. Deren Name stammt von der speziellen Mineralisierung des Wassers, das es wie Fett glänzen lässt.

Krieg lehrte gemeinsam mit Joseph Beuys (1921-1986) an der Kunstakademie Düsseldorf. Wie dieser war er begeistert von Fett als Material der Kunst. Den einzelnen Buchstaben des Wortes Fett widmet Krieg je eine Leinwand mit leicht gelblichen, manchmal auch grünlich schimmernden Farben. Unter der Orgelempore steht auf transparentem Plexiglas das Wort "Quell".

Pfarrer Michael Teipel von der Katholischen Seelsorgeeinheit Baden-Baden verweist auf die biblischen Bezüge des Werkes. So sei Fett in den fünf Büchern Mose ausschließlich zur "Opferung für den Herrn" gedacht. In seiner flüssigen Form als Öl nehme es eine besondere Stellung im Verhältnis von Gott und Mensch ein, etwa bei der Salbung.

Auch der zweite Wortteil "Quell" des Bilderzyklus habe biblische Bezüge: Jesus Christus bringe das Wasser des Lebens, so Teipel. Dies werde im Kirchenraum zum Beispiel durch das Tauf- und Weihwasser oder durch das Vorlesen aus der Heiligen Schrift als Quelle der Weisheit erfahrbar.

Krieg, der zu den bedeutenden deutschen Malern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört, entwickelte auch einige wenige Skulpturen. Kindlich spielerisch und fröhlich ist das Werk "Bären", das in der Taufkapelle zu sehen ist. Drei mannsgroße Teddy-Bären stehen im Kreis, halten sich fest und scheinen ins Gespräch vertieft. Der Künstler ließ sie in Zusammenarbeit mit seinen Studenten 1979 produzieren.

Aus 50 Gummiröhren besteht die Arbeit "4 Watt Lampen", die schwarze Neonröhren imitieren. Sie liegen auf dem Boden frei verteilt und sollen physische wie geistige Erhellung symbolisieren sollen. Es sei vor allem eine symbolisierte Energie, die alle drei Werke verbindet, so Irrgang, sei es das wärmende Fett, das lebensspendende Wasser oder die erhellende Energie des imaginären Licht.

Dass der Kirchenraum wegen der Renovierung des ursprünglich romanischen Gotteshauses leergeräumt ist, trage zur besonderen Atmosphäre der Ausstellung bei, so Kuratorin Irrgang. Kirchenräume hätten eine "ganz besonderes aufgeladene Energie, die es so in Museen nicht gibt". Die ursprünglich romanische, später mehrfach umgebaute Stiftskirche Liebfrauen gehört zu den Wahrzeichen der Kurstadt im Schwarzwald und ist Grablege der badischen Markgrafen.

Von Christine Süß-Demuth (epd)