Elektrisierender Rundgang zur Stromversorgung

Kurator Daniel Römer vor zwei Fitnessrädern, die Strom erzeugen.
Kurator Daniel Römer vor zwei Fitnessrädern, die Strom erzeugen.
Technomuseum präsentiert neue Ausstellung zum Thema Energie
Mannheim (epd)

Wie lange es dauert ein Smartphone mit Muskelkraft mit einer Handkurbel aufzuladen, erfahren die Besucher des Technoseums Mannheim in der neuen Ausstellung zum Thema "Energie erleben". Die Schau will mit 530 Objekten darüber informieren, welcher Aufwand tatsächlich hinter der allzeit verfügbaren Energie steckt, sagte Ausstellungs-Kurator Daniel Römer vor Journalisten. Nur um das Handy aufzuladen, müsse man etwa eine halbe Stunde an der Kurbel drehen.

Noch schwieriger wäre es, eine Tasse Wasser per Tauchsieder zum Kochen zu bringen. Dazu müsste man wohl einen ganzen Tag lang in die Pedalen des angeschlossenen Fitnessrads treten. Für eine Tasse heißen Kaffe benötigt man etwa so viel Energie wie für drei Stunden Beleuchtung mit einer 10-Watt-Lampe, erläuterte Kurator Römer.

Am Abend sollte die Ausstellung dann mit einer digitalen Premieren-Führung im Livestream eröffnet werden. Es soll ein "elektrisierender Rundgang zur Energieversorgung sein - von den ersten Luftheizungen bis zu den intelligenten Stromzählern von heute", sagte Technoseum-Direktor Hartwig Lüdtke. Ab Mittwoch ist die Schau für Besucher geöffnet.

Die Schau soll zeigen, wie Energie die Lebensweisen und Arbeitswelten von Gesellschaften prägt. Präsentiert werden etwa die ersten Luftheizungen des 19. Jahrhunderts, Bügeleisen und Staubsauger, aber auch intelligente Stromzähler und Brennstoffzellen von heute. Auch die museumseigene 112 Jahre alte, 80 Tonnen schwere, funktionstüchtige Dampfmaschine werde angeworfen.

Den Zusammenhang von Antrieb und Wärme, das Prinzip der "Energie" verstanden Wissenschaftler erst um 1840. Der Heilbronner Mediziner Robert Mayer bezeichnete Energie als "die Kräfte der unbelebten Natur". Um 1900 entdeckte dann Albert Einstein aus Ulm, das Energie noch mehr umfasst und die Grenzen von Raum und Zeit überwindet.

Zu sehen sind auch Kuriositäten wie ein Krawattenbügler oder ein beheizbarer Stiefeltrockner. Dann gibt es noch einen Badewannen-Schrank für die Küche, in den die Badewanne platzsparend eingeklappt werden kann. Es geht in der Schau auch um Kohle und Grubengold, Pumpspeicherwerke und Stromtrassen. Erzählt wird auch von Kernkraft, Protesten und politischen Auswirkungen, ebenso vom Siegeszug des elektrischen Stroms im Alltag, der zu Emanzipation der Frauen und Arbeitszeiten bis nach Mitternacht beiträgt, wenn das Licht plötzlich hell leuchtet.

Auch die Energieversorgung der Gegenwart und Zukunft werden thematisiert: etwa mit dem Smart Home, dessen Heizung automatisch runterdreht, sobald ein Fenster geöffnet wird.

Gezeigt werden aber auch die dunklen Seiten des stetig wachsenden Hungers nach Energie: Die Auswirkungen aus fossilen Energiequellen auf Klima und Umwelt sind etwa mit dem Bild "Great Smog of London" von 1952 dokumentiert. Schon damals trugen die Menschen Mund-Nasen-Bedeckungen - nicht wegen der Corona-Pandemie, sondern der großen Luftverschmutzung.

Ein weiteres Sinnbild für die Zerstörung der Natur ist auch ein vom sauren Regen zerfressenes Ziertürmchen vom Ulmer Münster, das ebenfalls ausgestellt ist.

Angeboten wird auch ein "Escape Game: Vorsicht Blackout". Darin haben Jugendliche, Erwachsene, Familien mit Kindern ab 8 Jahre eine Stunde Zeit um die Ursache für einen Blackout zu finden und die Stromversorgung wieder herzustellen.

Von Christine Süß-Demuth (epd)