«Der kleine Prinz» war sicher kein Schwabe
Gudrun Mangold
Die Schwäbisch-Übersetzerin Gudrun Mangold
Drei Fragen an Saint-Exupéry-Übersetzerin Gudrun Mangold
Laichingen (epd)

Sie hat den Weltbestseller «Der kleine Prinz» in das raue Älblerschwäbisch übersetzt: Dabei ist der Publizistin Gudrun Mangold aus Laichingen bei Ulm klargeworden, dass der Held des Buchs, «'s Prinzle», kein Schwabe sein kann. Die Tochter des schwäbischen Bürgerrechtlers Helmut Palmer verrät im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), was aus ihrer Sicht der wichtigste Satz im Buch ist.

epd: Frau Mangold, welche Botschaft hat «Der kleine Prinz» für uns heute?

Mangold: Das ist der vermutlich bekannteste Satz aus dem Buch, ins Schwäbische übersetzt: «Guad sieht ma bloß mit am Herza. Uff was akommt, de'scht fr d' Auga osichtbar.» Auf Hochdeutsch: «Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Also Spüren, was das Wesentliche ist.

epd: Warum haben Sie den Aufwand betrieben, das Buch ins Schwäbische zu übersetzen?

Mangold: Zum einen hatte ich in meinen Büchern «Hunger ist der beste Koch» und «''s Christkendle uff dr Alb» schon teilweise im Älbler-Dialekt geschrieben, weil es einfach die adäquateste Ausdrucksweise war, was erfreulicherweise gut ankam. Und dann bin ich per Zufall in Südfrankreich auf das verwaiste Schloss der Großeltern mütterlicherseits von Antoine de Saint Exupéry gestoßen, wo er teilweise aufgewachsen ist. Ich durfte ganz allein in das Schloss, war ganz sicher auch im Kinderzimmer von Antoine. Es entstand die Idee, ich könnte sein bekanntestes Buch in meinen Dialekt übertragen.

epd: Mit seiner Neugierde und seinem Erkundungswillen - ist das «Prinzle» in Wirklichkeit ein verkappter Schwabe?

   Mangold: Nein. Sonst hätte er sofort angefangen, das kaputte Flugzeug des Piloten zu reparieren. Es kommen ja insbesondere viele technischen Erfindungen, die unsere heutige Gesellschaft prägen, aus Schwaben. Das «Prinzle» hat aber lieber sinniert über eine Blume, die für ihn einzigartig war. Ihm war anderes wichtig als das, was vordergründig so ungeheuer wichtig aussah.

 

Von Marcus Mockler (epd)