Datteln, Drusenkunst und Davidstern

Israelladen Korntal
Ungewöhnliche Angebote im Korntaler Israelladen
Korntaler Israelladen bietet Waren aus dem Heiligen Land an

Korntal (epd). «Shalom al Israel» - Friede für Israel, so lautet das
Motto des Israelladens in Korntal (Landkreis Ludwigsburg). Ein Team
aus 20 ehrenamtlichen Frauen verkauft hier täglich Waren aus dem
Heiligen Land. Besonders beliebt sind vor allem in der Winterzeit die
Zitrusfrüchte aus Israel wie Grapefruits und Orangen, so die Leiterin
des Ladens, Dorothea Messner. Auch israelische Weine, Marmeladen,
Honig, Olivenöl und Kosmetik vom Toten Meer sind gefragt.

   «Diese Datteln werden kistenweise gekauft», sagt Messner und nimmt
ein kleines Tütchen mit den überdurchschnittlich großen
Palmenfrüchten aus einem Korb. Aber auch koschere Gummibären aus
Fischgelatine oder das berühmte Spiel Rummikub, das der Israeli
Ephraim Hertzano erfunden hat, sind hier erhältlich.

   Die Kunden, die im Israelladen einkaufen, kommen bewusst, weil sie
Israel unterstützen wollen, weiß Messner. Immer wieder besuchen auch
Kindergarten- und Schulkinder aus der Umgebung den Laden, um die
Judaica-Gebrauchsgegenstände kennenzulernen - wie jüdische
Gebetsriemen, siebenarmige Leuchter, Kippa oder Schofar-Horn. Oder
christliche Gruppen statten sich mit ungesäuerten Mazzen oder einem
Likörwein aus, um ein jüdisches Passahmahl zu feiern.

   Entstanden ist der Laden der Evangelischen Brüdergemeinde im Jahr
1996. Die Idee dafür hatte der damalige Pfarrer der Gemeinde nach
einer Israelgemeindereise, erinnert sich Dorothea Messner, die auch
die Gründerin des Ladens ist. Aller anfänglichen Skepsis mancher
Korntaler zum Trotz läuft er seither sehr gut, vor allem in der
Vorweihnachtszeit. Dies liegt vielleicht auch daran, dass es in
Baden-Württemberg keinen anderen Laden mit dieser Auswahl und diesem
breiten Sortiment israelischer Waren gibt.

   Der Israelladen will für alle Menschen da sein, die im Heiligen
Land leben, betont die 68-Jährige. Deshalb finden sich im Sortiment
auch bewusst Olivenholzartikel, Stickereien und Keramik aus der
Lifegate-Werkstatt aus dem palästinensischen Beit Jala. In der
Werkstatt werden junge Menschen mit geistiger oder körperlicher
Behinderung betreut. Aber auch handgewebte Taschen von Drusen, einer
arabisch-religiösen Minderheit in Israel, werden verkauft. Und die
traditionelle weiß-blaue armenische Keramik, wie sie sich auch im Suq
in der Jerusalemer Altstadt findet.

   Die BDS-Kampagne, die weltweit zu Boykott, Desinvestitionen und
Sanktionen gegen Israel aufruft, findet Messner «traurig und
schlimm». Der Laden hat sich auch schon bei Unterschriftenaktionen
gegen die Kampagne beteiligt, erzählt sie. Die Kampagne zeigt
Wirkung: Eine Kosmetikmarke aus dem Toten Meer hat ihr Label
verändert und statt «Made in Israel» nun «Made in Niederlande» auf
die Verpackung geschrieben, berichtet die Chefin des Ladens. Als sie
sich telefonisch bei der Firma erkundigte, kam heraus, dass die Firma
nun den Standort eines Büros in den Niederlanden angab, damit durch
die Boykott-Kampagne keine wirtschaftlichen Einbußen entstehen.

   In den 22 Jahren seit der Gründung des Ladens kam laut Messner
insgesamt über 120.000 Euro Erlös zusammen, der diversen Projekten im
Heiligen Land zugutekam. Beispielsweise wurde ein Altenheim in
Jerusalem unterstützt, das Überlebende des Holocausts pflegt und
betreut. Oder das Projekt «Future und Hope» in Efrat, das schwangere
Frauen in Konfliktsituationen berät und ihnen und ihren Babys
finanziell hilft. Oft wird das Geld für die Projekte in Israel
persönlich überreicht. «Das rührt viele Israelis. Sie staunen, dass
wir ihnen doppelt helfen, indem wir ihre Waren verkaufen und ihnen
dann den Erlös spenden».

   Doch es geht nicht nur darum, Gutes zu tun: «Als Christen sind wir
mit den Juden, unseren großen Brüdern im Glauben, verbunden». Leider
nehme der Antisemitismus hierzulande wieder zu, sagt Messner, und
blickt auf einen silbernen Davidsstern mit einer Holzmaserung, die
von den verrotteten Holzgleisen des Auschwitzer Konzentrationslagers
stammt. «Wir wollen nach der leidvollen jüdischen Geschichte ein
Gegenzeichen setzen.»