Foto- und Medien-Kuenstler Wolf Nkole Helzle in Aktion.
Foto- und Medien-Künstler Wolf Nkole Helzle portraitiert Teilnehmer und setzt die Portraits über eine eigene Software zu einem Gesicht zusammen.
Fotokunstprojekt vereint 1.000 Porträts in ein einziges Bild
Karlsruhe (epd)

Es ist ein einzigartiges Porträt: Das Gesicht des Weltkirchenrats ist nicht Generalsekretär Ioan Sauca oder die Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, Agnes Aboum. Vielmehr entsteht das Gesicht der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) aus hunderten Einzelporträts von teilnehmenden Christen aus aller Welt.

Für das Fotokunstprojekt «Face(s) of the 11th Assembly» - «Gesicht(er) der Teilnehmenden» - hat der Stuttgarter Medienkünstler Wolf Nkole Helzle rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 120 Ländern fotografiert. «Die ganze Welt sitzt vor mir auf dem Stuhl und lächelt mich an», erläutert Helzle dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dies soll die ganze Bandbreite und Tiefe der ökumenischen Familie zeigen: «Es ist eine bildliche Darstellung von Einheit durch Vielfalt».

Den Künstler beschäftigt die Frage, welchen Anteil der einzelne Mensch an den fast acht Milliarden Menschen auf der Welt habe. Er will das «unsichtbare Gemeinwesen sichtbar machen». Dafür hat er in 25 Jahren rund 50.000 Menschen weltweit fotografiert. Der Ökumene-Gipfel sei dafür ein ganz besonderes Ereignis.

Am letzten Tag der Vollversammlung wurde das Fotokunstwerk auf zwei jeweils 3,50 Meter hohen Bannern präsentiert. Zu sehen sind sowohl die einzelnen Bilder der Teilnehmenden als auch das Gesamtbild. Es ist ein beliebtes Fotomotiv für die Porträtierten aus Asien, Afrika, Amerika, Australien und Europa.

Eine von ihnen ist Lori Ransom aus dem kanadischen Toronto. Es sei ein tolles Projekt und zeige «die Individualität, die Diversität, aber auch die Einheit der Teilnehmenden». Auch die Kenianerin Maryann Njugana lässt sich gerne fotografieren, «damit ich mich immer an die tolle Veranstaltung erinnere».

Medienkünstler Helzle hat für sein Fotokunstprojekt eine spezielle Software entwickelt, die die Augen- und Mundpartie der Porträtierten übereinander legt. Das Gesicht hat eine leicht gebräunte Haut und hellbraune Augen. Eigenschaften wie Bart oder Brille gingen in der Vielzahl anderer Bilder auf und setzten sich nicht durch, erläutert der Künstler.

Willem van Spiyker vom niederländischen Missionsrat ist von der Idee fasziniert: «Dein Gesicht wird mit den Gesichtern anderer Menschen verbunden.» Wenn sich ganz unterschiedliche Individuen aus aller Welt gemeinsam so zeigten, «dann ist das wirklich eine Kirche».

epd Christine Süß-Demuth