Wenn internationale Firmen beim CVJM anklopfen

Treffen YMCA Lafia
Besprechung mit Mitgliedern der Jugendgruppe des YMCA Lafia
Partnerschaft des Evangelischen Jugendwerks wirkt dauerhaft
Stuttgart (epd)

Christliche Entwicklungsarbeit ist auch für Weltfirmen interessant. In Nigeria etwa melden sich ein großer Autobauer und eine Baufirma immer wieder beim CVJM des Landes, weil der Verein Mechaniker und Schreiner ausbildet. Über den Stand der Arbeit haben sich zwei Württemberger bei ihrem jüngsten Besuch informiert.

Zwölf Tage lang war Stefan Hoffmann, Landesreferent beim Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW) in Stuttgart, im April beim CVJM in Nigeria unterwegs. «Ich will die Projekte vor Ort sehen, gemeinsam an einem Tisch sitzen», sagt er, der beim EJW auch für Eritrea und Workcamps zuständig ist. Doch wie kommt das EJW dazu, sieben internationale Partnerschaften zu pflegen - mit Äthiopien, Eritrea, Nigeria, Rumänien, der Slowakei, dem Sudan und dem CVJM in Ost-Jerusalem? Das EJW gehört zum CVJM Deutschland und damit zu einer weltweiten Jugendorganisation, dem YMCA.

Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause konnte Hoffmann die Lage in Nigeria schwer einschätzen. «Das Land ist voller Überraschungen», sagt er. «Nigeria ist ein schönes Land mit hoher Gastfreundlichkeit, tiefer Gläubigkeit und einem guten Miteinander. Das wird aber durch Terrorismus und Entführungen überschattet.» Hoffmann warnt vor einem zu engen Blick auf den Islam: Es gebe Konflikte zwischen ganz verschiedenen ethnischen Gruppen, etwa zwischen Nomaden und Landwirten. Deshalb war Hoffmann froh, als zweiten Teil der Delegation den erfahrenen Michael Langer an seiner Seite zu haben.

Langer, heute im Ruhestand und ehrenamtlicher Mitarbeiter im CVJM Fellbach, kam erstmals 1983 mit einem Aufbaulager nach Nigeria. Es folgten dort ein halbjähriger Kurzeinsatz über Brot für die Welt und ab 1991 viereinhalb Jahre als CVJM-Bruderschaftssekretär. «Ich bin mit meiner Frau und zwei Kindern ausgereist und mit ihr und vier Kindern zurückgekommen. Es war die eindrücklichste Zeit meines Lebens.» Er hat nun viele Veränderungen gesehen: «Damals mussten wir Telefongespräche exakt nach Minuten vorbestellen, heute wird auch in Nigeria mit dem Smartphone gearbeitet.»

Was Langer freut, ist die konstante Frucht seiner Arbeit: «Wir haben 1994 mit Freizeiten begonnen, das Ostercamp gibt es bis heute, ich habe es nun mit über 60 Kindern erlebt. Aus der Jugendgruppe, die ich 1994 in Kaduna begonnen habe, sind heute viele Teilnehmer ehren- und hauptamtlich im CVJM tätig.» 14 lokale CVJM gehören zum Netzwerk «YMCA Northern Zone». «Der Übergang von älteren, gesetzten Herren zu jungen, dynamischen Leitern gelingt», sagt Langer.

Wo Nigeria von den Partnern Hilfe brauche, sei eindeutig: «Ausbildung ist noch immer ein großes Thema.» Viele derer, die beim CVJM eine Ausbildung zum Mechaniker oder Schreiner absolvierten, hätten ein eigenes Geschäft gegründet oder arbeiteten bei großen Firmen. «Peugeot in Kaduna hat immer wieder beim CVJM angeklopft, die Baufirma Berger hat viele aufgenommen.»

«Wir können viel voneinander und miteinander lernen», sagt Hoffmann. Rede ein Deutscher von «nachhaltiger Landwirtschaft», denke er wohl an mehr Bio und Gemüse. «Die Partner aus Nigeria sagen mir, nachhaltig sei für sie, wenn alle satt werden.» Manche Probleme bestünden gemeinsam: «Ehrenamtliche hören hier wie dort auf, weil sie umziehen.»

Weltweite Probleme ließen sich zudem nicht mit Insellösungen bearbeiten, sondern nur global. Wer sich im EJW-Weltdienst engagiere, habe oft während einigen Monaten im Ausland erlebt, «dass Leben auch ganz anders funktionieren kann». Auch Lange beobachtet, wie sich Jugendliche nach internationalen Begegnungsfreizeiten verändern. «Wir haben als CVJM Fellbach seit 1999 eine direkte Partnerschaft mit dem YMCA Kakuri. Das hat dem Verein sehr gutgetan.»

Die Besuche gehen in beide Richtungen: Im Juni treffen sich sieben je dreiköpfige Delegationen aus allen EJW-Partnerschaften in Stuttgart. Dadurch sollen auch direkte Kontakte entstehen, bei denen es die «EJW-Schaltzentrale» gar nicht mehr braucht. «Wir wollen über unser Partnerschaftsverhältnis und die internationale Jugendarbeit 2030 nachdenken», sagt Hoffmann. «Das ist ergebnisoffen, wir wissen noch nicht, was am Ende steht.»

Von Peter Dietrich (epd)