Sicherheit ist menschliches Grundbedürfnis
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Friedensethiker erläutern Alternativen zu militärischer Gewalt
Karlsruhe (epd)

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat auch die friedensethische Diskussion in den Kirchen neu entfacht.
Welche Positionen sind noch verantwortbar und welche Alternativen zur Verteidigung mit militärischen Mitteln gibt es nach wie vor? So wird seit einigen Jahren zum Beispiel die Forderung nach einer Internationalen Polizei anstelle nationaler Armeen laut.

Ein Zwischenergebnis des kirchlichen Diskussionsprozesses haben Friedensethiker am 13. Januar in Karlsruhe vorgestellt. Sie präsentieren ihre Ergebnisse in dem Band «Weltinnenpolitik und Internationale Polizei», das jetzt im Verlag V&R unipress (Göttingen) erschienen ist. Darin gehe um einen möglichen mittelfristigen Ausstieg aus der militärischen Gewalt und die Rolle einer zivilen Verteidigung, sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Baden, Stefan Maaß.

Das Wort Sicherheit komme aus dem Lateinischen und bedeute «ohne Sorge sein», erläuterte er: «Wir gehen davon aus, dass Sicherheit ein menschliches Grundbedürfnis ist wie Essen und Trinken und ein Dach über dem Kopf». Frei von Elend, Not, Gewalt und Unterdrückung zu sein, sei etwa auch mit dem biblischen Begriff «Schalom» gemeint, als einem ganzheitlichen Heilsein.

Um dies zu erreichen, bedürfe es der Kooperation. Während versucht werde, militärische Sicherheit durch gegenseitige Abschreckung zu erreichen, lasse sich eine humane Sicherheit nur im Miteinander erzeugen. Nötig sei dabei eine Kooperation zwischen Staaten sowie eine inklusive internationale Sicherheitsarchitektur.

Die Ständige Vertreterin der badischen Landesbischöfin, Oberkirchenrätin Cornelia Weber, würdigte die Arbeit des landeskirchlichen Forums Friedensethik als «mahnende Stimme». Das Friedensforum übe damit das prophetische Amt von Kirche, das «Wächteramt» aus, sagte Weber bei der Präsentation. Friede im theologischen Sinn sei mehr als ein «Schweigen der Waffen».

Im Auftrag der Landessynode beschäftigt sich die badische Landeskirche seit 2013 verstärkt mit friedensethischen Fragen. Aus einem 2018 veröffentlichten Buch «Sicherheit neu denken» ist mittlerweile eine gleichnamige, bundesweite Initiative von 50 kirchlichen und weltlichen Friedensorganisationen entstanden.

Trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sei das Buch «nicht aus der Zeit gefallen», sagte Theodor Ziegler, Leiter der Fachgruppe «Internationale Polizei». So habe selbst das atomare Abschreckungsszenario den russischen Einmarsch nicht verhindert. «Das Vorhandensein eines Militärs führt dazu, dass böse Absichten mit diesem bestehenden Instrumentarium realisiert werden können», so Ziegler.

Um der Politik konkrete Vorschläge machen zu können, hat sich im Rahmen der Initiative «Sicherheit neu denken» die Fachgruppe «Internationale Polizei» gebildet. Die Erfahrungen von Polizeikräften in internationalen Missionen, aber auch von Friedensfachkräften und Vertretern der Friedenswissenschaft sind ebenfalls in dem Buch dokumentiert.
 

Von Christine Süß-Demuth (epd)