Loipenpilgern - Meditation auf «Bretteln»
Winterbild
«Beim Loipenpilgern bin ich in gutem Kontakt mit mir und mit der Natur»
Spirituelle Naturerfahrung im Winterwald
Oppenau (epd)

Es ist Nachmittag im Dezember, blaue Stunde. Achim Brodback kommt, nein, nicht von der Adventsfeier. Der Pfarrer aus Oppenau im Schwarzwald kommt von der Loipe. Seit einigen Jahren bietet er im Nationalpark Nordschwarzwald Touren zum «Loipenpilgern» an.

Der frühe Wintereinbruch in diesem Jahr machte die Auszeit für die Seele im Dezember möglich. «Die Stille im Schnee hat mich schon als Kind fasziniert», sagte Brodback gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Winter den verschneiten Wald zu erleben, war seinerzeit die Pilgeridee.

Der 52-Jährige lenkt beim Pilgern die Aufmerksamkeit weg vom sportlichen Aspekt des Langlaufs, hin zur Naturerfahrung. Es geht nicht um körperliche Grenzerfahrung, sondern um Achtsamkeit und Meditation. Langsam, ganz langsam geht es beim Loipenpilgern durch den Wald.

Das «Gleiten» auf den Skiern verleihe dem Pilger das Gefühl «zu schweben», berichtet der Pfarrer. «Man kann dabei die Energie spüren, die einen trägt», meint Brodback. Auf den Touren, die er für Gruppen mit sieben bis acht Teilnehmern anbietet, legt er immer wieder kurze Pausen ein.

Kurze geistliche Impulse laden zum Innehalten ein. Psalm 121,1 «Ich schaue hinauf zu den Bergen - woher wird meine Hilfe kommen?» - etwa öffne den Geist zum Naturempfinden und zu Gott, so der Pfarrer. Der Name «Zuflucht» für einen beliebten Aussichtspunkt im Schwarzwald wirke in diesem Zusammenhang auf ganz andere Weise.

Körperübungen wie das schweigende Ausbreiten der Arme beim Blick über das Tal schaffen laut Brodback einen neuen Zugang zur Schöpfung. «Wenn ich jetzt im Winter einen Vogel wie das Goldhähnchen mit seinem orange-gelblichen Scheitel sehe, ist das für mich etwas ganz Besonderes». «Beim Loipenpilgern bin ich in gutem Kontakt mit mir und mit der Natur», zitiert Brodback die Rückmeldung eines Teilnehmers.

«Wenn wir einen Baum bewusst wahrnehmen, erinnert sich plötzlich jeder aus der Gruppe an eine Geschichte von einem Baum», erzählt Brodback. Meist seien es Menschen aus der Region, die sich einer Pilgergruppe im Schnee anschlössen. Viele seien christlich-spirituell interessiert.

Loipenpilgern ist ein Angebot des Ökumenischen Netzwerks Kirche im Nationalpark Schwarzwald (Önkins). Es wurde 2014 in Baiersbronn gegründet. In dem Netzwerk arbeiten die Erzdiözese Freiburg, die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg zusammen.

Kirche im Nationalpark bietet an, die Themen Schöpfung und Spiritualität im Nationalpark zu erleben. Dabei gehe es auch um eine «Ethik der Zurückhaltung», heißt es auf der Homepage «Kirche und Tourismus in Baden-Württemberg». Will heißen: « den Blick schärfen, wo die Schöpfung Gottes gefährdet ist und Mitverantwortung für ihren Erhalt im Nationalpark Schwarzwald übernehmen».

 

Von Susanne Lohse (epd)