Landesbischöfin auf Augenhöhe

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Heike Springhart zur ersten badischen Bischöfin gewählt
Heike Springhart leitet die badische Landeskirche ab April
Karlsruhe (epd).

Heike Springhart begegnet Menschen auf Augenhöhe, egal ob beim Gemeindefest auf dem Dorf oder im theologischen Diskurs an der Universität. Die evangelische Theologin weiß um die Sorgen des Alltags, gleichzeitig wahrt sie den Durchblick auch bei komplexen, theologischen Fragestellungen. Das Credo der künftigen Landesbischöfin lautet: „Kirche muss in den entscheidenden Momenten des Lebens für die Menschen da sein.“

Diesen Satz hat die Pfarrerin der Evangelischen Johannesgemeinde in Pforzheim verinnerlicht. Sie will da sein, auch jetzt in der Pandemie. In ihrem Vorstellungsgottesdienst für das Amt als Landesbischöfin in der Heidelberger Friedenskirche ging sie auf die Überlastung der Pflegerinnen und Pfleger in den Kliniken ein, auf das Leiden der Erkrankten, das Leid der Angehörigen. „Der verwundbare Mensch“ ist gleichsam Lebens- und Habilitationsthema von Heike Springhart.

Sie beobachtet eine Art Corona-Scham bei den Menschen. So würde bei Todesanzeigen nur selten erwähnt, wenn jemand an dem Virus gestorben sei. „In einer Gesellschaft, in der Gesundheit und Fitness einen so hohen Stellenwert haben, ist Verletzlichkeit nicht en vogue“, so die Theologin.

Als Bischöfin will sie „Kirche, in ihrer bunten Vielfalt gestalten“. Die Kirche solle Menschen im gesellschaftlichen Wandel ermutigen und konstruktive Impulse setzen. „Mein Herz schlägt für eine Kirche, die aus der Kraft des Evangeliums lebt, die kraftvoll feiert und die sich öffentlich hören und sehen lassen kann“, erklärt die 46-Jährige, die sich als „hoffnungsstur und glaubensheiter“ beschreibt.

Springhart promovierte über den „Beitrag von Religion und Kirche für Demokratisierung und Reeducation im Westen Deutschlands nach 1945“. Ihre Habilitationsschrift erschien unter dem Titel „Der verwundbare Mensch. Sterben, Tod und Endlichkeit im Horizont einer realistischen Anthropologie“. Neben ihrer kirchlichen Praxis als Pfarrerin ist sie Privatdozentin für systematische Theologie an der Universität Heidelberg und leitet den Hauptausschuss der Landessynode.

Gebürtig in Basel absolvierte Heike Springhart ihr Studium in Bethel, Leipzig, Basel und Heidelberg. Neben ihrem Engagement am Theologischen Studienhaus Heidelberg und dem Evangelischen Studienseminar Morata-Haus von 2010 bis 2019 war sie Pfarrerin der Citygemeinde Hafen-Konkordien in Mannheim. Zudem unterrichtete sie ein Jahr lang als Gastdozentin an der University of Chicago.

Privat liebt es die allein lebende Theologin zu reisen. Dabei beobachtet sie gerne kleine Absurditäten des Alltags, die sie mit der Kamera festhält. Sie liest gerne Bücher, hat jedoch auch eine gesellige Seite. Treffen mit Freunden sind ihr wichtig. „Die Kontakte haben mir gefehlt im Lockdown“, erzählt sie. Dazu gehört auch das Singen im Chor oder das Klavierspiel.

Kreativ unterwegs ist Heike Springhart nicht nur als Gemeindepfarrerin mit Videogottesdiensten und neuen Ideen für Konfirmandentreffs. Sie schreibt Texte für den Rundfunk und gewann 2016 den ersten badischen Frauen-Preacher-Slam mit spielerischer Frische. Sie bezeichnet sich als das Gesicht einer fröhlichen Kirche, in der „niemand zum Lachen in den Keller gehen muss“.

Heiter und gelassen will Springhart die Kirche in Baden in den nächsten zwölf Jahren durch den Transformationsprozess führen, der ihrer Einschätzung nach längst begonnen hat: „Wir haben die Zukunft nicht in der Hand, sie ist Gottes Sache. Aber wir gestalten sie - fröhlich, mit Zuversicht und Mut.“

Gut möglich, dass der neuen Landesbischöfin ihr Lieblingsbibelvers „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir“ noch so einige Male den Rücken stärken wird. Den Spruch, der auf Hebräisch in ihrem Ordinationsring eingraviert ist, trägt sie immer bei sich.

Von Susanne Lohse (epd)