Beim Streetdance in der Kirche tanzt auch der Pfarrer
Streetdance
Der Pfarrer Vincenzo Petracca tanzt mit Streetdancer aus Deutschland und Frankreich.
Ungewöhnlicher Gottesdienst in der Heidelberger Heiliggeistkirche
Heidelberg (epd)

Von der Straße in die Kirche: In Heidelberg ist am 9. Juni ein «Streetdance-Gottesdienst» gefeiert worden, bei dem auch Profi-Tänzer ihr Können gezeigt haben. Citykirchenpfarrer Vincenzo Petracca von der Heiliggeistkirche bezeichnete es als «verstaubte Ansicht», dass Tanzen nicht in die Kirche gehöre. Vielmehr sei Tanz eine «sinnliche Darstellung der eigenen Spiritualität». Moderne Tanzformen passten durchaus in ein 600 Jahre altes Gotteshaus.

Auch Jesus habe nichts gegen das Tanzen gehabt, sagte Petracca weiter. Schon König David habe laut dem Alten Testament getanzt. Er habe dies sogar buchstäblich auf der Straße getan und sich damit auf eine Ebene mit den Sklaven begeben, unerhört für die damalige Zeit. «David ist für mich der erste Streetdancer in der Geschichte», sagte der Pfarrer.

Bei solchen modernen Tanzformen würden Grenzen und Hindernisse in Kreativität umgewandelt. Bei aller Individualität sei den Tänzern Gemeinschaft wichtig, sagte der evangelische Theologe. Die Werte der Streetdancer seien «Realness (Authentizität), Kreativität, Gleichheit und Respekt. Diese Werte vertrete auch die Kirche.

Unter Streetdance oder Urban Dance versteht man verschiedene Tanzstile, die in den 1970er Jahren auf den Straßen New Yorks entstanden sind. Wie genau die aussehen, zeigten Jugendliche im Gottesdienst bei mehreren Performances. Unter ihnen waren auch die neunjährige Aurelia Demaio, die amtierende Deutsche Meisterin U10 im Streetdance ist, und der Urban Dancer Zoo Real. Beiden sehen den Streetdance als universelle Sprache.

»Wir sprechen zur Seele und zum Herzen des Anderen, auch wenn wir dessen Sprache nicht sprechen«, sagte Zoo Real. Für ihn war der Auftritt in einer Kirche ein besonderes Anliegen. Als erfolgreicher Streetdancer habe er durch eine Erkrankung gemerkt, dass der Erfolg allein nicht glücklich mache. Während der Krise habe er durch Gespräche mit Christen zum Glauben gefunden.

Nach dem Gottesdienst gab es einen kostenlosen Hip-Hop Workshop mit dem Tänzer Rayboom, an dem auch Pfarrer Petracca im Talar und mit viel Enthusiasmus neue »dance moves« lernte. Erst vor wenigen Wochen hatte er mit einem »Taylor-Swift-Gottesdienst« bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Am Nachmittag fand der erste «Church Battle» in der Heidelberger Heiliggeistkirche statt. Die französische Urban Dancerin Ashley Popping (Straßburg) hat gewonnen. Der zweite Platz ging an den Hip-Hopper Ousman Conteh (Gießen). An dem Streetdance-Wettbewerb hätten rund 90 Tänzerinnen und Tänzer aus Deutschland und Frankreich teilgenommen. Neben Profis waren auch Nachwuchstänzer dabei, der Jüngste war sechs Jahre alt.

 

 

Von Christine Süß-Demuth (epd)