Prominente unterstützen "Maria 2.0" - Spahn hat "große Sympathie"

Berlin (epd)

Prominente Katholiken unterstützen die Fraueninitiative "Maria 2.0": "Frauen hatten für den Katholizismus immer eine tragende Rolle: in den Familien, in den Gemeinden, spirituell, Gemeinschaft stiftend, organisatorisch", heißt es in einem Gastbeitrag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt". Er habe große Sympathie für die Anliegen der Frauen von Maria 2.0. Ohne das besondere Engagement von Frauen würde das konkrete Gemeindeleben vor Ort in vielen Fällen zum Erliegen kommen - "kirchliche Krankenhäuser und Pflegedienste übrigens auch." Die Institution Kirche breite "hier ihre Arme nicht weit genug aus".

Das SPD-Urgestein Hans-Jochen Vogel (93) erklärte: "Wir Katholiken laufen Gefahr, dass sich immer mehr Frauen von ihrer Kirche abwenden. Umso wichtiger ist es, dass sich die Frauen von Maria 2.0 nachhaltig für ihr Anliegen einsetzen." Maria 2.0 müsse zu einer globalen Bewegung werden. Vogel: "Die Frauen müssen sich mit Frauen in anderen Weltregionen vernetzen. Nur so wächst der Druck auf die Kirchenmänner. In der evangelischen Kirche hat es auch über 450 Jahre nach der Reformation gedauert, bis Frauen Pastorinnen wurden. Heute wissen wir doch: Das hat der evangelischen Kirche nur genutzt."

Der Benediktinerpater Anselm Grün (74) begrüßte, dass Frauen in der katholischen Kirche auf sich aufmerksam machen. Die katholische Kirche könne sich der gesellschaftlichen Entwicklung nicht verschließen. Eine Theologie, die sich darauf berufe, dass Jesus Mann war und daher nur Männer Priester sein können, möchte nur den Status quo hochhalten. Diese Theologie sei unhaltbar. "Sie gründet auf gesellschaftlichen Vorurteilen, wie sie lange von Männern Frauen gegenüber gehegt wurden", so Grün: "Die katholische Kirche muss wirklich aufpassen, dass sie die Frauen nicht verliert, die doch zu einem großen Teil das Leben in der Kirche lebendig halten."

Die Reforminitiative "Maria 2.0" setzt sich für mehr Beteiligung und Rechte in der katholischen Kirche ein. Sie fordert den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern. Im Mai hatten Frauen in vielen deutschen Bistümern in einem "Kirchenstreik" eine Woche lang ihre ehrenamtliche Tätigkeit in Einrichtungen der katholischen Kirche eingestellt und keine Kirche betreten. Sie verlangen mehr Gleichberechtigung von Frauen. Ausgangspunkt des Kirchenstreiks war Münster. Die deutschen Bistümer reagierten unterschiedlich auf die Proteste von "Maria 2.0". Viele zeigten sich zurückhaltend oder ablehnend, einige wenige begrüßten den Kirchenstreik ausdrücklich.