Flüchtlingsfragen als kirchlicher Auftrag

Bischof Stäblein besucht Landesamt - Zahl der Asylsuchenden gestiegen
Berlin (epd).

Berlins evangelischer Bischof Christian Stäblein sieht die Betreuung und Integration von Geflüchteten als eine Schwerpunktaufgabe seiner Landeskirche an. Berlin sei bei diesem Thema mit der bundesweit ersten Flüchtlingskirche und einer Landespfarrerin für Integration und Migration vorangegangen, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Dienstag bei einem Besuch des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). Diesen Weg wolle die Landeskirche fortzusetzen und sich weiter intensiv um Aufnahme und Integration von Geflüchteten kümmern, auch wenn die Ankunftszahlen zwischenzeitlich gesunken sind.

Vor einem Jahr hatte Stäblein die Erstaufnahmeeinrichtung im brandenburgischen Eisenhüttenstadt besucht. Am Dienstag setzte er seine Vor-Ort-Begegnungen in Flüchtlingseinrichtungen im Stadtteil Wilmersdorf mit dem Besuch der LAF-Registrierungsstelle in der Bundesallee fort. Begleitet wurde er unter anderem von der Landespfarrerin für Integration und Migration, Dagmar Apel.

Stationen des Besuches waren etwa der Registrierungsbereich für die Asylsuchenden sowie die Identitäts- und Passprüfung. Außerdem traf sich der Bischof mit einer vor sechs Jahren aus Afghanistan geflüchteten Frau, die inzwischen ihre Ausbildung in Deutschland abgeschlossen hat und ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung arbeitet. Bischof Stäblein interessierte sich außerdem für Corona-Schutzimpfungen in den Unterkünften für Geflüchtete und weitere Möglichkeiten kirchlichen Engagements.

Nach den Worten von LAF-Präsident Alexander Straßmeir hat Berlin in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2.256 Asylsuchende neu aufgenommen. Das waren 24 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Aktuell würden täglich etwa 25 Geflüchtete neu aufgenommen. Nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel ist Berlin zur Aufnahmen von etwas mehr als fünf Prozent der Asylsuchenden in Deutschland verpflichtet.

Bischof Stäblein interessierte sich auch für das Schicksal der Flüchtlinge, die aus den griechischen Lagern auf der Insel Lesbos in Berlin aufgenommen worden waren. Die Hauptstadt wollte ursprünglich 300 Menschen aus den überfüllten Lagern aufnehmen, konnte sich darüber aber nicht mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) einigen.

Nach den Worten von LAF-Präsident Straßmeir sind rund 95 Prozent der in Berlin ankommenden Asylsuchenden über den Landweg geflüchtet. In der Öffentlichkeit ziehe das Schicksal der Lesbos-Flüchtlinge jedoch große Aufmerksamkeit auf sich. Insgesamt habe Berlin im Jahre 2020 4.589 Asylsuchende aufgenommen. Durch die Schließung der Grenzen im Frühjahr 2020 seien die Ankunftszahlen zunächst deutlich gesunken, ehe sie im Sommer wieder gestiegen waren. In der Spitze hatte die Stadt 2015 rund 55.000 Asylsuchende registriert.

Ende dieser oder Anfang nächster Woche sollen in allen Unterkünften des Landesamtes mindestens einmal Corona-Schutzimpfungen angeboten worden sein. Die Impfquote liege bisher noch unter 40 Prozent, sagte der LAF-Präsident.