Royaler Besuch in Lutherstadt Wittenberg

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Belgisches Königspaar besucht Lutherstadt Wittenberg
Belgisches Königspaar besichtigt Schlosskirche und Lutherhaus
Wittenberg (epd)

Das belgische Königspaar ist am Mittwoch in Wittenberg den Spuren der Reformation gefolgt. Nach ihrem Besuch in Thüringen wurden König Philippe und Königin Mathilde auf dem Marktplatz der Lutherstadt von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) begrüßt. Auch einige Wittenberger empfingen den royalen Besuch mit freundlichem Jubel und Fähnchen. Ministerpräsident Haseloff betonte, das auch das belgische Königshaus wettinische Wurzeln habe und damit Verbindungen in die Region.

Nach dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt und in das Gästebuch der Landesregierung stand eine Besichtigung der berühmten Schlosskirche auf dem Programm. Das Gotteshaus, an dessen Tür der Reformator Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 kirchenkritischen Thesen angeschlagen haben soll, ist schon oft von royalen Gästen besichtigt worden. Im Februar 2017 kam das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Máxima vorbei. Im Oktober 2016, kurz vor dem 500. Reformationsjubiläum, waren die dänische Königin Margrethe II. und auch das schwedische Königspaar Carl XVI. Gustaf und Silvia zu Besuch in der damals frisch restaurierten Schlosskirche. Die dänische Königin hatte damals eigens für die Schlosskirche ein Antependium, einen roten Altarbehang mit einer Lutherrose, gefertigt, auf den sich am Mittwoch auch die Augen des belgischen Königspaars richten sollten.

Die Direktorin des Predigerseminars in Wittenberg, Sabine Kramer, begrüßte das Königspaar vor der Schlosskirche und führte sie durch die Thesentür, die heute zwar nicht mehr das Original von 1517 ist, aber dennoch als touristisches Highlight in der Stadt gilt. Für Sabine Kramer, die seit 2018 das Predigerseminar führt, war es der erste royale Besuch, den sie in der Schlosskirche begrüßen und auf die europäische Ausbreitung der Reformation und die lebendige Kirchengemeinde in der Stadt aufmerksam machen konnte. Der Besuch zeige, dass der Ort international auf Beachtung und Interesse stoße, hieß es.

Sachsen-Anhalt beansprucht für sich den Titel als Ursprungsland der Reformation. Der Thesenanschlag in Wittenberg gilt heute als zentraler Ausgangspunkt der weltweiten Reformationsbewegung, die zur Spaltung in evangelische und katholische Kirche führte. In der Schlosskirche, die seit 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, befindet sich auch Luthers Grabstätte. Das einstige Wohnhaus des Reformators, das Lutherhaus, beherbergt heute das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt.

Im Lutherhaus war man in Vorbereitung des Besuches auf einen Brief des ersten belgischen Königs, Leopold I., von 1837 gestoßen. Das Kondolenzschreiben an eine Tante befindet sich im Archiv der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt und ist über eine Privatsammlung nach Wittenberg gekommen. Eine Kopie sollte dem belgischen Königspaar am Mittwoch überreicht werden.

Nach dem Besuch in Wittenberg wollte das belgische Königspaar unter anderem noch in Dessau-Roßlau das Bauhaus und die Meisterhäuser besichtigen. Am Dienstag war das Königspaar bereits in Thüringen unterwegs, besichtigte unter anderem die Gedenkstätte Buchenwald. Der belgische König Philippe ist ein Nachkomme Leopolds I., der Prinz des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha war und 1831 zum ersten König der Belgier berufen wurde. Bis heute gehört die belgische Königsfamilie zum Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Der Besuch der Gedenkstätte Buchenwald fand im Gedenken an die zwischen 1940 und 1945 mehr als 4.000 inhaftierten belgischen Häftlinge statt, von denen mehr als 500 zu Tode kamen.