975 antimuslimische Vorfälle in Berlin dokumentiert
Berlin (epd).

Beleidigungen, Körperverletzungen und Angriffe auf Moscheen: Die Organisation „Claim“ hat mit 975 Fällen im Jahr 2025 einen Höchststand an antimuslimischen Vorfällen in Berlin dokumentiert. Im Vergleich zum Vorjahr (644 Fälle) seien damit rund 51 Prozent mehr Übergriffe registriert worden, sagte die Co-Geschäftsführerin von „Claim“, Rima Hanano, am Montag in der Hauptstadt. Durchschnittlich ereigneten sich im vergangenen Jahr drei antimuslimische Vorfälle pro Tag.

Am häufigsten hätten sich sogenannte verbale Angriffe ereignet (399). Darunter befänden sich etwa 71 Fälle von Volksverhetzung und 96 von Bedrohungen sowie Nötigungen. Alarmierend sei der Anstieg an Körperverletzungen auf 65 Fälle, darunter acht gefährliche, sagte Hanano. Im Jahr 2024 habe die Zahl der Körperverletzungen noch bei 48 gelegen. Außerdem sei es zu 273 Diskriminierungen gekommen.

Vier Angriffe auf Moscheen

Im Gegensatz zum Jahr 2024 hätten sich im vergangenen Jahr Angriffe auf Moscheen ereignet, insgesamt vier dokumentierte „Claim“. Berlins Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) erklärte, die dokumentierten Vorfälle schockierten sie sehr. Für den Landesvorsitzenden der Grünen, Philmon Ghirmai, zeigen die Zahlen, dass antimuslimischer Rassismus „tief in unserer Gesellschaft verankert“ sei. Die tatsächliche Zahl aller Vorfälle dürfte laut „Claim“ noch höher liegen, da viele Übergriffe weder gemeldet noch angezeigt werden.

Von den Übergriffen waren laut dem Bericht im besonderen Maße Frauen betroffen. Sie machten 57,5 Prozent aller Betroffenen aus. Insbesondere verbale Angriffe und Diskriminierungen richteten sich überproportional oft gegen Frauen. Männer wurden hingegen häufiger das Ziel von Körperverletzungen.

Claim: Politische Debatten mitverantwortlich

„Claim“ machte für die Vorfälle unter anderem das gesellschaftliche Klima und antimuslimische Narrative verantwortlich. Prägend seien unter anderem der Bundestags-Wahlkampf und die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ausgelöste „Stadtbild-Debatte“ gewesen, argumentierte die Organisation. „Claim“ selbst erhielt eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr zwölf rassistische Drohmails.

Als Maßnahmen zur Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus forderte die Organisation etwa, die Datenlage zu Vorfällen zu verbessern und Beratung für Betroffene sicherzustellen. Auch sollten in Bildungseinrichtungen, wo sich nach dem öffentlichen Raum die meisten Übergriffe ereigneten, rassismuskritische Maßnahmen verankert werden.

Daten aus verschiedenen Meldestellen

Den Angaben zufolge werden Diskriminierungen und Übergriffe oberhalb und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze erfasst. Dabei sei die Betroffenenperspektive zentral. Die Zahlen speisten sich demnach unter anderem aus elf Melde- und Beratungsstellen, den Fallzahlen zu politisch motivierter Kriminalität und Pressemeldungen der Polizei.

Erfasst wurden nicht nur tatsächlich religiöse Menschen, sondern auch jene, die unabhängig von ihrer eigenen Selbstverortung als muslimisch eingeordnet werden, etwa aufgrund ihres Namens oder Sprache. „Claim“ ist laut eigenen Angaben eine bundesweit tätige Organisation, die antimuslimischen Rassismus sichtbar machen will.

Von Jonas Grimm (epd)