Hamburg, Brüssel (epd).

In Europas Meeren werden pro Jahr hunderttausende Tonnen Fische gefangen und als unerwünschter Beifang illegal über Bord geworfen, kritisiert die Umweltschutzorganisation WWF. Eine am 8. April veröffentlichte Studie zeige, dass die geplante Reform der EU-Fischereikontrolle nicht ausreiche, um die Missachtung der sogenannte Anlandepflicht durchzusetzen. Die EU würde die falschen Schiffe kontrollieren, und damit bliebe die Fischereikontrolle weitgehend wirkungslos gegen illegale Aktivitäten.

Laut WWF sind Kameras an Bord der Fangschiffe, sogenanntes „remote electronic monitoring“ (REM), das beste Instrument der Fischereikontrolle. Im Rahmen der Reform der EU-Fischerei-Kontrollverordnung soll die elektronische Fernüberwachung künftig eingeführt werden, Kriterium für Kontrollen soll die Größe von Fangschiffen sein. Dagegen zeigt die WWF-Studie, dass nicht die Größe der Fangschiffe, sondern das Fanggerät entscheidend dafür ist, wieviel Fisch unerwünscht im Netz landet. Grundschleppnetze haben dafür das höchste Risiko, so die Studie.

Der EU-Ministerrat plant die Kamerapflicht nur auf Fangschiffen mit „ernstem“ Risiko" für illegale Rückwürfe über 24 Meter Länge. Das EU-Parlament schlägt vor, Schiffe mit hohem Risiko für illegale Rückwürfe über zwölf Meter Länge dafür vorzusehen. Dagegen zeigt die WWF-Studie, dass die größten Schiffe nur für 37 Prozent der registrierten Rückwürfe verantwortlich sind.

Die kleinsten Schiffe unter zwölf Metern haben laut WWF-Studie zwar nur einen geringen Anteil an den erfassten Rückwürfen, stellen aber 84 Prozent aller Schiffe der EU und verbringen die meiste Zeit auf See. Der WWF fordert Kameras an Bord aller EU-Fischereifahrzeuge über zwölf Meter Länge und zusätzlich für alle Schiffe unter zwölf Meter Länge, die ein hohes Risiko für illegale Rückwürfe und unbeabsichtigte Fänge gefährdeter Arten haben. Nur so wäre die effektive Überwachung der Anlandepflicht gesichert und könne der Schutz bedrohter und geschützter Arten gewährleistet werden.

„Wir brauchen gesunde Meere als Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise und um die ambitionierten Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie zu erreichen“, betont Stella Nemecky, Fischereiexpertin beim WWF Deutschland. Allein 2019 wurden in der EU-Fischerei rund 230.000 Tonnen Rrückwürfe gemeldet, so die WWF-Studie. „Das entspricht in etwa der Menge Kabeljau, die Anfang der 1970er Jahre in der Nordsee schwamm, als es dem Fischbestand noch blendend ging. 92 Prozent dieser Rückwürfe fielen in der Grundschleppnetzfischerei an“, erklärt Nemecky. Die Rückwürfe seien nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern ein Grund für die Überfischung in den europäischen Meeren.