Umweltverbände: Wattenmeer von Kriegsmunition säubern

Wilhelmshaven (epd)

Mehrere Naturschutzverbände haben Bund und Länder aufgefordert, militärische Altlasten in der Nordsee zügig zu beseitigen. Nach offiziellen Schätzungen liegen noch 1,6 Millionen Tonnen Munition in deutschen Meeresgewässern, wie BUND, Nabu, WWF und weitere Initiativen in Wilhelmshaven mitteilten. Die Weltkriegsmunition und "vor sich hin rottende Kampfmittel" hätten ein enormes Gefahrenpotenzial für Flora, Fauna und Mensch.

"Selbst außerhalb der markierten Versenkungsgebiete liegt noch viel Munition auf und im Meeresboden und gefährdet das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer sowie Urlauber, Fischerinnen oder Arbeiter etwa an Windparks und Kabeltrassen", sagte der niedersächsische BUND-Landesvorsitzende Heiner Baumgarten. Es sei ein Skandal, dass bislang systematisch noch nichts zur Munitions-Räumung unternommen worden sei. Kampfstoffe wie Artilleriemunition, Spreng- und Brandbomben, Minen oder Torpedos seien selbst nach mehr als 70 Jahren noch gefährlich.

Durch starke Strömungen und Grundschleppfischerei würden die Altlasten immer wieder umgelagert oder freigelegt, kritisieren die Umweltverbände. Der Sprengstoff könne nach wie vor explodieren, die Abbaustoffe seien hochgiftig. Gleichwohl gebe es keine systematische und flächendeckende Sondierung des Küstenmeeres nach Kampfstoffen, sondern nur im Zusammenhang mit aktuellen Bauvorhaben am Meeresgrund. "Die anlassbezogene sporadische Räumung von Kampfmitteln - etwa bei Kabelverlegungen, auf der Vogelinsel Mellum und an Inselstränden - löst das Problem nicht."

Die Umweltverbände begrüßen, dass die Umweltministerkonferenz im November 2019 eine Neubewertung der Munitionsbelastung in Auftrag gegeben hat. Doch sei bis heute keine schlüssige Strategie erkennbar. Im Herbst 2022 sei eine Regierungskonferenz zum Schutze des Wattenmeers von den Niederlanden, Dänemark und Deutschland in Wilhelmshaven unter deutschem Vorsitz geplant. "Wir erwarten, dass Niedersachsen spätestens dann ein vorzeigbares Programm zur Kampfmittel-Räumung mit genauem Zeitplan startet", sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros in Husum.