Spatz und Star erstmals auf Roter Liste

Umweltbehörde präsentiert umfangreiches Brutvogel-Monitoring
Hamburg (epd)

Als erste deutsche Großstadt hat Hamburg den Spatz und den Star auf die Rote Liste der gefährdeten Vogelarten gesetzt. Mit großem Abstand habe vor allem der Haussperling am meisten Brutpaare verloren, teilte die Umweltbehörde am 26. März mit. Dabei sei der "Allerweltsvogel" bis in die 1980er Jahre noch die mit Abstand häufigste Brutvogelart in der Stadt gewesen. Doch seit Ende der 1990er Jahre habe der Spatz mehr als die Hälfte seines Bestandes eingebüßt. Zur Jahrtausendwende wurden noch 29.000 Brutpaare gezählt, jetzt sind es nur noch maximal 16.000. Beim Star sank die Zahl in den letzten 15 Jahren um 45 Prozent (minus 5.200 Brutpaare).

Andererseits brüten in Hamburg laut Umweltbehörde so viele Vögel wie noch nie. Registriert wurden 151 heimische Vogelarten mit einem Gesamtbestand von rund 450.000 Brutpaaren – das seien so viele wie in keiner anderen deutschen Großstadt. Vor zehn Jahren habe der Gesamtbestand noch bei 415.000 Brutpaaren gelegen. Ursache für den positiven Trend ist laut Rote-Liste-Monitoring der Zuzug zahlreicher Waldvögel in die Stadt.

Etwa ein Viertel aller in der Hansestadt regelmäßig brütenden heimischen Vogelarten gilt dem Bericht zufolge mindestens als gefährdet, beispielsweise Rebhuhn oder Feldlerche. Zwölf Arten stehen auf der "Vorwarnliste", etwa Weißstorch, Saatkrähe oder Nachtigall. Aus der Vorwarnliste herausgefallen sind Blaukehlchen, Grünspecht und Rauchschwalbe. Zwei Drittel der Vogelarten gelten als ungefährdet, zum Beispiel Amsel, Kranich oder Mäusebussard. Gegenüber der letzten Roten Liste von 2007 müssen weitere sieben Arten in Hamburg als ausgestorben gelten, unter anderem Brachvogel, Haubenlerche und Zwergseeschwalbe.

Zugleich kamen auch neue Arten hinzu. So haben sich mit dem Seeadler und dem Raufußkauz zwei neue Brutvogelarten in Hamburg dauerhaft niedergelassen. Weitere positive Nachricht: Die Population des Mittelspechts hat sich seit 2007 vervierfacht. Deswegen konnte auch er aus der Liste der gefährdeten Arten entlassen werden. Ursachen sind eine naturnahe Forstwirtschaft, abwechslungsreiche Laubwaldbestände und ein hoher Totholz-Anteil.

Der Bestand des streng geschützten Eisvogels wuchs in den vergangenen zehn Jahren um 60 Prozent. Auch er konnte die Rote Liste verlassen – die verbesserte Wasserqualität der Alster und ihrer Nebenflüsse sind hier die Ursache. Weitere gefährdete Vogelarten der Roten Liste sind oftmals Spezialisten, wie die Rohrdommel – inzwischen in Hamburg als Brutvogel ausgestorben - das Tüpfelsumpfhuhn und die Wasserralle, die auf intakte besondere Lebensräume angewiesen sind.

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sagte, er blicke bei aller Freude über die große Zahl an Brutvögeln mit Sorge auf den dramatischen Schwund bei einzelnen Arten. Wichtig sei es jetzt, für einen funktionierenden Biotopverbund zu sorgen, in dem Vögel und andere Tiere innerhalb verschiedener Grün- und Naturbereiche gut wandern und wechseln können.

Bei einigen Arten sind die Bestände seit 2007 offenbar um mehr als 90 Prozent zurückgegangen: Beutelmeise, Rebhuhn oder Sandregenpfeifer kommen nur noch mit Einzelpaaren vor und stehen kurz vor dem Verschwinden. Die Ursachen für den Rückgang gefährdeter Arten sind dem Bericht zufolge vielfältig. So führe die Sanierung alter Gebäude und der Neubau energetisch verbrauchsarmer Wohnhäuser mit dichten Fassaden zu einem Verlust an Brutstätten. Doch auch Nahrungsmangel zur Brutzeit, insbesondere an Insekten für die Aufzucht der Jungvögel, spielt eine wichtige Rolle. Aus vielen ehemals naturnahen Gärten seien zudem "saubere Ziergärten" geworden. Helfen dagegen könnten Gründächer, Hallen mit reichen Grünfassaden sowie alle Bauten, bei denen die Grünanlage und der Artenschutz gleich mitbedacht werden.