Nabu: Kranke Aale in Schlei ausgesetzt

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Europaeischer Aal (Anguilla anguilla)
Schleswig (epd)

Die seit Jahren in der Schlei ausgesetzten jungen Aale sind offenbar zu einem großen Teil mit einem gefährlichen Herpesvirus infiziert. Dies gehe aus einer bereits 2017 veröffentlichten Studie von Fischforschern der Uni Hamburg hervor, teilte der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein mit. Jedes Jahr setzen Angelvereine und Schleifischer, gefördert durch das Land Schleswig-Holstein und den Fischereifonds der Europäischen Union, Tausende junge Aale in der Schlei aus. Die natürliche Vermehrung der Aale reiche nicht aus, um einen befischbaren Bestand zu sichern.

Die Studie liege den zuständigen Landesbehörden vor, blieb bisher aber offenbar folgenlos, hieß es. Das Ausbringen infizierter Fische ist streng verboten. Die ausgesetzten Jungaale waren zuvor in Zuchtanlagen mehrere Wochen lang aufgezogen worden. Das Virus kann Aale in Stresssituationen wie Futtermangel, Wasserverschmutzung oder Wärme töten. Es sei unklar, ob die mit dem Virus infizierten Aale die 6.000 Kilometer weite Rück-Wanderung zu ihrem Laichgebiet im Atlantik vor der Küste Floridas noch zurücklegen können.

Der Aal ist ein in vielen Punkten noch mysteriöser Fisch. Alle Aale Europas und Amerikas stammen aus der über 6.000 Meter tiefen Sargassosee vor der Küste Floridas. Von dort kommen die Aallarven, die zwei Jahre lang bis an Europas Küste wandern und hier in die Flüsse aufsteigen. Der Aal kann sich bei Regen weit über Land schlängeln und abgelegene Seen und Teiche erreichen. Nach Jahren oder Jahrzehnten entscheidet er sich, zurück in die Sargassosee zu wandern, um Eier zu legen. Die Paarung und Eiablage der Aale in der Tiefsee sind noch niemals beobachtet worden.