Kieler Forscher suchen plastikfressende Bakterien

Kiel (epd)

Mit einem neuen Forschungsansatz wollen Kieler Meereswissenschaftler die Suche nach plastikfressenden Bakterien verstärken. Es würde mehr Sinn machen, ganze Bakteriengemeinschaften auf ihre Fähigkeiten zu testen, anstatt nach einzelnen geeigneten Bakterienarten zu suchen, sagte Peter Deines, Wissenschaftler am Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung und Hauptautor der Studie. Außerdem berge die Konzentration auf eine einzelne Bakterienart ein Risiko, weil Monokulturen nicht sehr widerstandsfähig seien.

Schon seit Jahrzehnten werden Bakterien genutzt, um die Umwelt sauber zu halten. Ein bekanntes Beispiel sind die biologischen Stufen von Kläranlagen. In ihnen zerlegen Bakterien und andere Mikroorganismen organische Schadstoffe im Abwasser in ihre Bestandteile. Weltweit werden derzeit Bakterien gesucht, die in der Lage sind, Kunststoff-Moleküle zu zerlegen. Sie könnten helfen, den Plastikmüll in den Ozeanen abzubauen.

Das Kieler Forschungsteam untersucht derzeit verschiedene Bakterienökosysteme. Das können die Mägen von Fischen, Biofilme auf Großalgen oder das Sediment des Meeresbodens sein. Im Labor werden diese bisher weitgehend unerforschten Bakteriengemeinschaften dann weiterem Plastik ausgesetzt. Zeigt sich, dass eine Gemeinschaft in der Lage ist, den Kunststoff abzubauen, wird sie für den nächsten Schritt ausgewählt. Deines: "Ein Bakterium, das alleine nichts mit Plastik anfangen kann, trägt in einer komplexen Gemeinschaft vielleicht doch entscheidend zu dessen Abbau bei."