Greenpeace errichtet vor Rügen Stein-Barriere gegen Schleppnetze

Sassnitz (epd)

Greenpeace-Aktivisten haben am 26. Juli am Meeresschutzgebiet Adlergrund östlich vor der Insel Rügen damit begonnen, eine steinerne Barriere gegen Fischerei-Grundschleppnetze zu errichten. Dazu versenkten sie von Bord der "Beluga II" bis zu 750 Kilogramm schwere Granitsteine in der Ostsee, wie Greenpeace in Hamburg mitteilte. Die Aktion solle mehrere Tage dauern und das dortige artenreiche Steinriff schützen, hieß es. Fischer durchpflügten den Meeresboden sogar in ausdrücklich geschützten Gebieten ganz legal und zerstörten so das Ökosystem.

"Zur Rettung der Meere brauchen wir echte Schutzgebiete frei von menschlicher Zerstörung", sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Die Bundesregierung müsse die Fischerei und die Ausbeutung von Rohstoffen in den Schutzgebieten verbieten. Nur so könnten Arten und Lebensräume geschützt werden.

Deutschland hat laut Greenpeace bereits im Jahr 2007 fast die Hälfte seiner Meeresgebiete als Schutzzonen ausgewiesen. Auch die Pläne für ein Verbot bodenzerstörender Fischerei im Schutzgebiet Adlergrund seien längst fertig, hieß es. Allerdings fehle der politische Wille, sie umzusetzen. Der Meeresschutz bestehe lediglich auf dem Papier.

Besonders schlecht stehe es in der deutschen Ostsee um Dorsch und Hering, hieß es. Jahrzehntelang seien ihre Bestände überfischt worden. Stark gefährdet sei auch Deutschlands einzige Walart, der Schweinswal. Die Population aus etwa 450 Tieren, die östlich von Bornholm leben, stehe auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) unter "vom Aussterben bedroht".

Zudem gehe der Ostsee die Luft aus. So genannte Todeszonen ohne Sauerstoff nähmen zu. Intakte Schutzgebiete seien eine Atempause für die Meere. Was den Meeren dient, diene auch den Fischern: Fischbestände könnten sich erholen und Fischer außerhalb dieser Gebiete bald wieder mehr Fisch fangen.

Industrielle Übernutzung und die Folgen der Klimaerhitzung setzen Deutschlands Hausmeeren jedoch zu, so die Umweltschützer. Selbst in ausgewiesenen Schutzgebieten der Nord- und Ostsee sowie dem Nationalpark Wattenmeer erlaube die Bundesregierung weiter Ölausbeutung, Fischerei sowie Sand- und Kiesabbau. Bürokratie und kurzfristige industrielle Interessen blockierten den dringend nötigen Meeresschutz.

"Im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben gehören gesunde Meere zu unseren wichtigsten Verbündeten", sagte Maack. Sie stabilisierten das Weltklima, hätten rund 90 Prozent der atmosphärischen Treibhausgaswärme aufgenommen und rund 30 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids gespeichert.