Experten: Seehunde in der Elbmündung

Cuxhaven, Wedel (epd)

Seehunde aus der Nordsee fühlen sich offenbar auch in Flussmündungen wohl, speziell in der von Ebbe und Flut geprägten Tideelbe. Das geht aus den Ergebnissen einer ersten Zählung dieser Art im Auftrag der Koblenzer Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) zwischen August 2018 und Juli 2019 hervor. Wissenschaftler fotografierten dafür vom Flugzeug aus die Tiere bei Niedrigwasser auf ihren Liegeplätzen zwischen Wedel bei Hamburg und Cuxhaven. Anschließend konnten die Forscher die Seehunde anhand der Bilder identifizieren und zählen.

In den Monaten Januar bis Mai sowie von September bis Dezember zählten sie so pro Flug jeweils 65 bis 212 Seehunde. Zur Wurfzeit im Sommer zeigte sich den Angaben zufolge ein deutlicher Anstieg auf 531 Tiere im Juni und 526 Tiere im Juli. Erfreulich sei die große Anzahl an Jungtieren gewesen. So seien im Juni 2019 unter den 531 erfassten Seehunden 202 Jungtiere gewesen, die sich fast ausschließlich im Mündungstrichter der Elbe aufhielten.

Die Informationen seien ein wichtiger Hinweis für den Zustand der Tideelbe, sagte BfG-Referent Thomas Taupp. "Seehunde sind sensible Bioindikatoren und lassen beispielsweise Rückschlüsse auf die Wasserqualität und die Fischbestände zu." Auch der Tierschutz profitiere von den neuen Daten. So könne beispielsweise bei Baggertätigkeiten im Fluss jetzt noch mehr Rücksicht auf die Tiere genommen werden.

Auch im vorgelagerten Wattenmeer floriert nach Einschätzung von Experten der Seehund-Bestand. In der dänisch-deutsch-niederländischen Region werden nach Angaben des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats in Wilhelmshaven seit Jahren starke und stabile Zahlen beobachtet. Die trilaterale Seehund-Expertengruppe schätzte vergangenes Jahr den Bestand der Seehunde im Wattenmeer sowie auf Helgoland auf insgesamt 40.800 Tiere.