Dorsche in westlicher Ostsee gefährdet

Hamburg (epd).

Der Dorschbestand der westlichen Ostsee ist einer aktuellen Studie nach zusammengebrochen. Wissenschaftler der Universität Hamburg haben herausgefunden, dass der „Kipppunkt“ für diese Population bereits überschritten wurde, wie die Universität mitteilte. Werde solch ein Kipppunkt erreicht, sei es sehr unwahrscheinlich, dass ein befischter Bestand sich schnell erholt.

Beim Dorsch, in anderen Seegebieten Kabeljau genannt, haben sowohl der Klimawandel als auch Überfischung jetzt dazu geführt. Aufgrund von hohen Fangquoten und bisher nicht beachteten Umweltfaktoren sei es sehr unwahrscheinlich, dass sich der Bestand des Dorsches an der deutschen Ostseeküste in näherer Zukunft erholen wird, hieß es.

Der Zusammenbruch des Dorsch-Bestands in der westlichen Ostsee sei absehbar gewesen, sagte der WWF in einer Stellungnahme. „Nichtregierungsorganisationen und die Wissenschaft haben ihn seit Jahren vorhergesehen, die Warnungen wurden jedoch als hysterisch abgetan und konsequent ignoriert“, so Stella Nemecky, Fischereiexpertin beim WWF Deutschland. „Jetzt ist es zu spät und amtlich.“

Die Einbindung von Umweltinformationen in das Fischereimanagement sei weltweit mangelhaft, so die Wissenschaftler der Uni Hamburg. Bei der Festlegung von Fangquoten, die dafür sorgen sollen, dass sich ein Bestand für das nächste Jahr erholen kann, würden die sich verändernden Umweltbedingungen in der Region nicht berücksichtigt.

So stellten die Autoren etwa fest, dass der Kabeljau nicht in der Lage ist, sich an die sich schnell erwärmende Umwelt anzupassen. „Da sich der globale Klimawandel und damit die Erwärmung der Ostsee fortsetzen werden, muss sich die Fischerei noch lange Zeit drastisch einschränken“, sagte Christian Möllmann vom Institut für Marine Ökosystem- und Fischereiwissenschaft der Uni Hamburg.

Für die jetzt veröffentlichte Studie analysierten Forscherinnen und Forscher vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg, des Center for Ocean and Society an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig den Angaben zufolge jahrzehntelange Fischereidaten der Region mit Hilfe statistischer Modelle.