Expertin: Beratungstelefon ist bewährte Hilfe bei Zeugniskummer

Hannover/Hamburg (epd)

Viele Kinder und Jugendliche greifen nach Beobachtungen der Pädagogin Anna Zacharias bei Frust über ihr Zeugnis lieber auf telefonische Hilfe zurück als auf Online-Angebote. "Wenn es um eine anonyme und niedrigschwellige Beratung geht, ist das Telefon noch immer sehr aktuell", sagte die Sprecherin des bundesweiten Projekts "Nummer gegen Kummer" dem NDR. Am Kinder- und Jugendtelefon "116 111" meldeten sich viele, die sofort mit jemandem sprechen wollten. Online-Berater antworteten hingegen häufig erst zeitversetzt. "Vielen Anrufern fällt zudem das Sprechen leichter als das Schreiben." In Niedersachsen und Bremen haben die Schülerinnen und Schüler am 31. Januar ihre Halbjahreszeugnisse erhalten.

Gerade in den Tagen um die Zeugnisvergabe hätten viele Kinder und Jugendliche Fragen, wie sie mit ihren Eltern über ihre Noten ins Gespräch kommen könnten und was sie tun könnten, um ihre Noten im nächsten Halbjahr zu verbessern, sagte Zacharias. Dabei spiele auch Enttäuschung eine Rolle: "Viele Kinder tun sich heute schwer damit, dass sie ihre Eltern enttäuschen könnten. Dazu kommt, dass Schüler ja keine schlechten Noten schreiben, um ihre Eltern zu ärgern." Sie seien selbst enttäuscht von ihrer Leistung und machten sich Sorgen.

Sowohl das Schulsystem als auch die Gesellschaft seien leistungsorientierter geworden, sagte die Diplom-Pädagogin dem NDR weiter. Gute oder schlechte Noten spielten heute bei der Zukunftsgestaltung eine große Rolle. "Insofern ist der Druck in den vergangenen Jahren sicher nicht kleiner geworden." Das spiegele sich auch darin, dass sorgenvolle Anrufe zu Zensuren die Helfer mittlerweile im gesamten Jahr erreichten.

Im Übrigen seien die Seelsorger auch für Erwachsene da, die Frust über die Noten ihrer Kinder verspürten, betonte Zacharias. Gerade Eltern seien oft enttäuscht und manchmal auch wütend über die Leistungen ihrer Kinder. Sie fühlten sich überfordert oder machten sich Sorgen, wie sie ihr Kind zukünftig unterstützen können. "Viele brauchen einfach jemanden, bei dem sie ihre Wut und ihren Ärger über die Situation ablassen können. Auch dafür haben wir ein offenes Ohr, und letztlich ist es ja immer besser, die Wut bei uns rauszulassen als beim Kind."