Einwohnerzahlen in Ost und West driften auseinander

Dresden (epd)

Die Bevölkerungszahl in Ostdeutschland ist heute so niedrig wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das geht aus einer Studie der Dresdner Niederlassung des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Zugleich lebten heute so viele Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik wie nie zuvor. Die Ungleichentwicklung in Ost und West setzte bereits mit der deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Zuvor hätten sich die beiden Landesteile nahezu parallel entwickelt, erklärten die Forscher.

Die Einwohnerzahlen in Ost- und Westdeutschland drifteten nahezu ungebremst auseinander, sagte Studienautor Felix Rösel. Insbesondere die anhaltende Wucht der deutschen Teilung werde bis heute in der Öffentlichkeit völlig unterschätzt, erklärte der Forscher. Dies werde häufig übersehen und bedürfe besonderer politischer Berücksichtigung. Demnach hätten die zwei größten sächsischen Städte Dresden und Leipzig heute doppelt so viele Einwohner und wären Millionenstädte, wenn sie genauso gewachsen wären wie der Westen.

Die Studie benennt drei Hauptursachen für den Bevölkerungsschwund im Osten. Dazu zählen die Massenflucht ab 1949 bis zum Beginn des Mauerbaus 1961, die fehlende Zuwanderung von Gastarbeitern in den 60er und 70er Jahren und die Abwanderung nach dem Ende der DDR als Folge von Arbeits- und Perspektivlosigkeit.

Insbesondere der ländliche Raum im Osten sei infolge der deutschen Teilung "regelrecht ausgeblutet", betonte Rösel. Es sei daher falsch, öffentliche Fördermittel vor allem an die Großstädte zu überweisen. "Wir brauchen genau das Gegenteil und müssen den sozialen Zusammenhalt sowohl in den Städten als auch in der Fläche fördern".