Olde-Ausstellung auf Schloss Gottorf

Schleswig (epd)

Über 120 Werke des weitgehend unbekannten schleswig-holsteinischen Malers Hans Olde der Ältere (1855-1917) sind seit dem 25. April auf Schloss Gottorf in Schleswig zu sehen. "Diese bislang größte Olde-Schau ist das Highlight in unserem Kunstsommer", sagte die Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Kirsten Baumann, bei der Präsentation. Sie solle dazu beitragen, diesen herausragenden Vertreter des Impressionismus bundesweit bekannter zu machen. Die Retrospektive mit Landschaftsbildern und Porträts des Reformers und Malers ist bis zum 20. Oktober zu sehen.

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das Porträt von Friedrich Nietzsche (1844-1900), das das Bild des Philosophen bis heute prägt. Es war eine Auftragsarbeit, die Olde kurz vor Nietzsches Tod anfertigte, als der Philosoph bereits sehr krank war. Auch der Lyriker Klaus Groth (1819-1899) und der damals herrschende Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) standen Olde Modell.

Die frühen, noch dem Realismus zugewandten Werke Oldes zeigen sowohl sein Gespür für Licht und Farben als auch seine Herkunft: Als einziger Sohn eines Gutsbesitzers malte er bäuerliche Szenen naturgetreu und mit großer Sorgfalt. Wäre es nach dem Wunsch seines Vaters gegangen, hätte Olde den elterlichen Hof in Süderau (Kreis Steinburg) übernommen. Doch er strebte eine Karriere als Maler an, studierte an der Münchner Kunstakademie, entdeckte in Frankreich den Impressionismus und brachte ihn nach Deutschland.

Obwohl Olde bundesweit tätig war, blieb der Norden für ihn wichtiger Bezugspunkt. In Schleswig-Holstein malte er die vermutlich ersten Gemälde blühender Rapsfelder überhaupt und experimentierte in seinen Schneelandschaftsbildern mit der Wirkung von Schatten und Licht. Auf Gut Seekamp im Norden Kiels traf er Künstler wie den Bildhauer Adolf Brütt (1855-1939) und den Maler Lovis Corinth (1858-1925). Dort verbrachte er seine schöpferischsten Jahre.

Sein gesamtes Werk schätzt Kuratorin Uta Kuhl auf etwa 400 Bilder - eine eher geringe Ausbeute für einen Maler. Oldes deutlich bekannterer Kollege Max Liebermann (1847-1935) schuf das Zehnfache. "Vermutlich ist das ein Grund für seine geringe Popularität", so Kuhl. "Er hat schlicht zu wenig gemalt." Stattdessen engagierte Olde sich in der Kulturpolitik, war treibende Kraft für die künstlerische Moderne. Er leitete unter anderem die Weimarer Kunstschule und die Königliche Kunstakademie in Kassel. In Weimar erwirkte er etwa, dass Frauen zum Studium zugelassen wurden.

Dass er zu seinen Lebzeiten kein Unbekannter war, zeigt das Herzstück der Ausstellung: "Mann mit Stier" heißt das Werk, das Olde 1896 im Großformat malte. Es wurde an die Galerie in Dresden verkauft - für die staatliche Summe von 8.000 Goldmark. Der Stier "Barbarossa" selbst, den das Werk zeigt, hatte lediglich einen Kaufpreis von 800 Goldmark.