Museen im Norden: Starke Frauen stehen im Fokus

Kiel, Lübeck, Flensburg (epd).

Konsum, Kolonialismus und Artensterben: Die Museen in Schleswig-Holstein haben 2022 große Themen auf der Agenda, die sie größtenteils mit weiblichen Kunstschaffenden besetzen. Die Kunsthalle zu Kiel eröffnet am 19. Februar zum 80. Geburtstag der deutschen Künstlerin und Autorin Anita Albus die Ausstellung „Wildes, Wüstes, Wunderschönes - Natur im Fokus der Sammlung“. Im Mittelpunkt stehen Werke, in denen Albus sich mit seltenen und ausgestorbenen Arten der Tier- und Pflanzenwelt beschäftigt. Albus ist bekannt für ihre täuschend echten Naturmalereien.

Um starke Künstlerinnen geht es auch in den Lübecker Museen. Die Ausstellung „Female View“ in der Kunsthalle St. Annen legt ab 19. März den Fokus auf Modefotografinnen von der Moderne bis zum digitalen Zeitalter. Dabei gehören queere und feministische Fotografinnen ebenso zur Ausstellung wie die heutige Selbstinszenierung junger Frauen in den sozialen Medien. Auch das Günter Grass-Haus hat mit einer Ausstellung zu der finnischen Malerin und Schriftstellerin Tove Jansson eine Power-Frau im Programm.

Gleich drei Sonderausstellungen planen die Lübecker Museen zu Afrika. Um Tiere in der afrikanischen Kunst geht es zum Auftakt im Museum für Natur und Umwelt. Religiöse Kunst steht ab dem Frühjahr im St. Annen-Museum im Vordergrund, und die Kolonialismus-Debatte steht ab Herbst im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk im Mittelpunkt.

Das Museum Kunst der Westküste (MKdW) auf der nordfriesischen Insel Föhr zeigt vom 6. März bis 19. Juni Werke von Anna Ancher (1859-1935). In der Schau „Sonne. Licht. Skagen“ sind 80 Gemälde und Ölstudien der beliebten dänischen Künstlerin zu sehen. Als Mitglied der Skagener Künstlerkolonie war sie an der Herausbildung realistischer und impressionistischer Strömungen in der skandinavischen Malerei um 1900 beteiligt. Ihr Schaffen zeichnete sich durch einen innovativen Umgang mit Licht und Farbe aus.

Auf dem Museumsberg Flensburg erwartet die Besucherinnen und Besucher vom 6. März bis 12. Juni eine Retrospektive der Flensburger Künstlerin Dorothee Bachem (geb. 1945 in Konstanz). Im November folgt eine Schau zu schleswig-holsteinischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich durch Aufenthalte in Paris inspirieren ließen. Die dort empfangenen Impulse sowie die Rezeption ihrer Werke in Deutschland werden in den Blick genommen.

Das Europäisches Hansemuseum in Lübeck zeigt ab dem 7. Oktober 2022 eine Schau zum Thema „Guter Stoff. Textile Welten von der Hansezeit bis heute“. Sie spannt den Bogen von einer ersten Konsumrevolution im Mittelalter bis hin zur heutigen Textilindustrie. Im Fokus steht das Thema Nachhaltigkeit. Alle Bestandteile sollen nach Ablauf der Schau möglichst in die Dauerausstellung und nicht auf den Müll wandern.

Mit mehr als zwei Jahren corona-bedingter Verspätung startet am 31. März in der Reithalle auf Schloss Gottorf in Schleswig die Ausstellung „Moby Dick und Röhrenkatze“. Seit einem halben Jahrhundert erwirbt der Kulturring in der Studien- und Fördergesellschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft Gemälde, Grafiken und Skulpturen. Inzwischen sind fast 500 Werke von 115 Künstlerinnen und Künstlern zusammengekommen, die in der Ausstellung gezeigt werden sollen.

Mit einer überarbeiteten Ausstellung rund um die Anfänge der modernen Kunst in Deutschland setzen die Landesmuseen die Schau „Moderne und Idyll“ ab 5. Mai im Gottorfer Kreuzstall fort. Hier kommen dann auch die Männer zum Zug: Die Ausstellung zeigt Papierarbeiten etwa von Paul Cézanne, Edgar Degas, Eduoard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec.