Liberale Jüdische Gemeinde wünscht sich Synagoge

Hamburg (epd)

Die Liberale Jüdische Gemeinde in Hamburg begrüßt den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge im Grindelviertel, möchte aber gerne auch ihren eigenen Israelitischen Tempel (Synagoge) wieder aufbauen. Das Gebäude in der Neustadt (Poolstraße) stehe noch in Teilen und könnte saniert werden, teilte die Gemeinde mit. Dass er stattdessen als Gedenkstätte zur Erinnerung des liberalen Judentums umgestaltet werden soll, empfinde die Gemeinde als "zynisch". Die liberale Gemeinde zählt nach eigenen Angaben mehr als 300 Mitglieder, von denen der Großteil aus der ehemaligen Sowjetunion stammt.

Die zerstörte Bornplatzsynagoge der Jüdischen Gemeinde soll für rund 130 Millionen Euro wieder aufgebaut werden. "Wir als Liberale Jüdische Gemeinde würden uns auch dieselbe Aufmerksamkeit und Unterstützung von den Bürgern und dem Senat Hamburgs sowie der Bundesregierung wünschen, um wieder ein blühendes liberales Judentum in Hamburg zu fördern", heißt es in der Stellungnahme. Zurzeit feiere die Gemeinde ihre Gottesdienste in einer Turnhalle. Es fehle zudem die Möglichkeit, die Toten würdevoll nach jüdischem Brauch auf einem jüdischen Friedhof zu begraben.

Die Stadt hatte Ende vorigen Jahres die denkmalgeschützten Überreste des ehemaligen Israelitischen Tempels in der Neustadt gekauft. Er solle als jüdisches Kulturdenkmal und Erinnerungsort erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, hieß es seinerzeit. Gleichzeitig sollen auf dem Grundstück Wohnungen gebaut werden.

Der 1817 gegründete Hamburger Tempelverein gilt als Ursprungsort für das liberale Judentum, zu dem sich heute etwa 1,7 der weltweit 14 Millionen Juden zugehörig fühlen. 1844 wurde er für 350 Männer und 290 Frauen eröffnet. Die dreischiffige Basilika stand in einem Hinterhof. Bis 1932 wurde er für Gottesdienste genutzt.

Ein Jahr zuvor war im Stadtteil Rotherbaum (Oberstraße) ein größerer Tempel mit 1.200 Plätzen gebaut worden, der heute das Rolf-Liebermann-Studio des NDR beherbergt. Der Tempel in der Poolstraße musste 1937 unter Wert verkauft werden. Bomben zerstörten 1944 den Bau. Heute sind nur noch einige Ruinenstücke wie etwa die Apsis erhalten.

Wesentliche Merkmale des liberalen Judentums sind die Gleichberechtigung der Frauen, Predigten in deutscher Sprache und der Einsatz von Musikinstrumenten. Die Jüdische Gemeinde wird von dem orthodoxen Landesrabbiner Shlomo Bistritzky geleitet, vertritt nach eigenen Angaben aber auch liberale Strömungen. Liberale Juden nennen ihr Gotteshaus meist Tempel, orthodoxe sprechen von einer Synagoge.