Lübeck (epd).

Zu seinem 20-jährigen Bestehen hat das Lübecker Günter Grass-Haus seine Dauerausstellung erneuert: Zukünftig zeigt das Museum seinen Besuchern eine werkbiografische Übersicht aus dem Leben und Schaffen des Literaturnobelpreisträgers von dessen Geburt 1927 bis zum Tod 2015. „Diese biografische Ausrichtung spiegelt immer auch ein Stück Zeitgeschichte“, sagte Lübecks Kultursenatorin Monika Frank (SPD) bei der Präsentation.

Zahlreiche nun erstmals zu sehende Originalexponate hat das Museum seit Grass' Tod neu erworben. Der größte „Schatz dieses Hauses“ seien jedoch zwei Leihgaben, stellte Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Grass-Hauses, fest: zum einen die Nobelpreisurkunde, die Grass 1999 in Stockholm entgegennahm. Zum anderen seine Olivetti Lettera 22: Auf der Schreibmaschine schrieb der Künstler seinen Jahrhundertroman „Die Blechtrommel“ sowie alle anderen Werke. „Grass hat sich immer geweigert, einen Computer zu benutzen“, sagte Thomsa. Und Sohn Bruno Grass wusste zu erzählen, dass die Olivetti 1954 „ein Geschenk meiner Großtante zur Hochzeit meiner Eltern gewesen ist“.

Federführend bei der Neugestaltung der Ausstellung war der Designer Matthias Kaminsky. Seine Devise für die Neu-Konzeption im Grass-Haus: „In einem Rundgang das gesamte Spektrum seines künstlerischen Schaffens kennenlernen.“ So hat der Berliner bereits im Eingangsbereich die Farben Weiß-Blau-Rot aus der „Blechtrommel“ aufgenommen und auch den Garten mit Plastiken und Mobiliar „durchinszeniert“. Der Kolonialwarenladen aus dem Roman als Höhepunkt der vorigen Dauerausstellung ist erhalten geblieben, jedoch ergänzt um Dioramen von Schlüsselszenen des Buches von der Künstlerin Sara-Christin Richter.

Eine stringente Schauführung eröffnet in einzelnen Abschnitten Kindheit und Jugend von Grass in Danzig, seine Jahre als Bildhauer in der Nachkriegszeit, den Weg als Schriftsteller zum Weltautor sowie sein paralleles Wirken als Maler und Grafiker, Nobelpreisauszeichnung sowie Tod und Bedeutung für die Literatur.

Manuskripte, Zeichnungen, Druckgrafiken und Aquarelle sind auf diesem Rundgang dabei ebenso in Originalen zu entdecken wie multimedial aufbereitet durch Touchscreens und E-Guides. „Hyperboxen“ ergänzen mit Hilfe moderner „Augmented Reality“-Technologie die Ausstellungsstücke durch virtuelle Elemente. Ganz klassisch kommt indes die neu geschaffene Filmcollage „Worüber ich schreibe…“ daher, die im Eingangsbereich auf einer großen Monitorwand gezeigt wird und die Betrachter mitnimmt auf eine Reise in das Danzig der Kindheit von Grass. Zu Gedichten des Schriftstellers improvisiert dazu Bela B., Schlagzeuger der Punkrock-Band „Die Ärzte“, ganz im Geiste des „Blechtrommlers“ Oskar Matzerath, wie Thomsa beschreibt: „Das ist Grass pur - brachial, direkt, unmittelbar.“.