Buntes Programm im Hansemuseum - nicht nur virtuell

Lübeck (epd)

Mit vielen neuen Ideen für digitale Angebote startet das Europäische Hansemuseum (EHM) in Lübeck in das neue Jahr. Diese seien kein Ersatz für die Ausstellungen in den Räumen, sondern eine Ergänzung, die auch neue Zielgruppen bringt, sagte Museumsdirektorin Felicia Sternfeld. Im vergangenen Jahr hätten fast 75.000 Menschen das EHM virtuell besucht. Ab 29. Mai soll die Sonderausstellung "Hanse steinreich - eine LEGO Zeitreise" Besucher auch wieder im Museum mit auf Zeitreise nehmen.

Die Geschichte der Hanse vom 12. bis ins 18. Jahrhundert wird dafür in sechs Themenwelten von einem zertifizierten Lego-Modellbauer aus den bunten Steinen nachgebaut und mit Licht und Soundeffekten ergänzt, so Sternfeld. Zusätzlich soll es große Modelle wie etwa eine Kogge geben. Auch aktuelle Themen wie Umweltverschmutzung und Ernährung sollen aufgegriffen werden. Die Lego-Ausstellung soll anschließend durch anderen Museen wandern, es gebe bereits internationale Anfragen.

Mit der Schließung am 15. März 2020 sei das EHM "mit Vollgas" in die Entwicklung digitaler Programme gestartet, die auch in diesem Jahr weiter entwickelt werden sollen, sagte Sternfeld. Sie gehe davon aus, dass das Museum bald wieder öffnen darf, neue digitale Angebote soll es aber trotzdem geben. "Das gibt uns die Möglichkeit, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die nicht einfach zu uns kommen können." An den Live-Führungen im vergangenen Jahr über Facebook und Instagram hätten sogar Interessierte aus Südamerika teilgenommen.

Youtube-Videos, Live-Führungen auf deutsch, englisch und russisch sowie Chat-Führungen für Schulklassen lockten im vergangenen Jahr online 75.000 Besucher an. Vor Ort hatte das Museum rund 20.000 Gäste - das sei gerade mal die Hälfte der Zahlen aus den Vorjahren.

Ab 1. Februar stellt das Hansemuseum auf Online-Tickets um. Eintrittskarten gibt es ab dann nur noch online inklusive einem vorab ausgewählten Zeitfenster und nach Verfügbarkeit - das habe nicht nur mit den Hygienemaßnahmen aufgrund der Pandemie zu tun, sagte Sternberg. Das sei "der Weg der Zukunft", es vermeide einfach generell Wartezeiten am Eingang.

Im August findet im Europäischen Hansemuseum erstmals das zweitägige Kulturfest "Unter dem Ahornbaum" statt. Das Angebot soll von Musik über Tanz und Performance bis hin zu Kunst und Schauspiel reichen. Thema ist der kulturelle Austausch zwischen verschiedenen Städten und Regionen. Mittelpunkt des Festes am 14. und 15. August ist der Ahornbaum im Innenhof des Museums, unter dem Künstler und Gäste aufeinandertreffen werden.

Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts "Hanse.Quellen.Lesen!" können erneut interessierte Laien dabei helfen, über das Online-Tool "Transkribus" knifflige Handschriften aus der Hansezeit zu entschlüsseln, sagte die Leiterin der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums, Angela Huang. Das Projekt war im ersten Halbjahr 2020 sehr erfolgreich gestartet, mehr als 200 Seiten seien bereits transkribiert. 2021 sollen Ergebnisse und Informationen zum Projekt über eine eigens dafür angelegte Projekt-Website veröffentlicht werden. An alle Hobbyforscher richtet sich ein neuer "Citizen Science Day", zu dem die Forschungsstelle im Frühjahr einladen möchte.