Von der Nordkirche in alle Welt

Neuer Ökumene-Direktor Wollmann von Bischöfin Fehrs eingeführt
Hamburg (epd)

Seine Aufgabe ist groß, der Horizont weit, und seine Gemeinde umspannt faktisch die ganze Welt: Christian Wollmann (42), seit Anfang März neuer Direktor des Zentrums für Mission und Ökumene in der Nordkirche, ist am 24. April von Bischöfin Kirsten Fehrs offiziell in sein Amt eingeführt worden. Sein Vorgänger Klaus Schäfer (65) war nach gut 13-jähriger Amtszeit Anfang Februar in den Ruhestand getreten.

Ein großes Stück der weiten Welt lernte Wollmann bereits ab 2010 im fernen China kennen: Drei Jahre lang war er Dozent für Christentum und Europäische Kultur am staatlichen Religionsinstitut der Universität der chinesischen Provinz-Millionenmetropole Xi'an. "Das war ein fantastisches, großes Abenteuer", sagt er.

Für manche Chinesen sei er damals der erste Ausländer gewesen, den sie je getroffen hatten. Sie hießen ihn willkommen, neugierig und aufgeschlossen. Er revanchierte sich mit einem Crash-Kurs Chinesisch und brachte es immerhin soweit, dass er einkaufen und nach dem Weg fragen konnte. Nach China geschickt hatte ihn übrigens das damalige Nordelbische Missionszentrum, dessen Direktor er nun ist.

Schon als Theologiestudent in Marburg, Heidelberg und Amsterdam hatte sich Wollmann für die weltweite Ökumene und den Dialog der Religionen und Konfessionen begeistert. Als europäischer Jugenddelegierter besuchte er diverse internationale Konferenzen weltweit. Dabei sei stets sein Anliegen gewesen, das jeweils Beste und Interessanteste in fremden Anschauungen herauszufinden, sagt er. Statt Abgrenzung oder gar Polemik sucht er noch heute vor allem das Gemeinsame und Verbindende. So schrieb er in Hamburg auch seine Doktorarbeit über den Begriff "Versöhnung". Zuletzt war Wollmann Gemeindepastor in Norderstedt (bei Hamburg).

"Das Engagement für Mission und Ökumene ist kein Luxusanhängsel von Kirche, sondern gehört zentral zum Selbstverständnis des Christentums hinzu", ist der Theologe überzeugt. Wichtig dabei sei allerdings, dass diese Arbeit "keine Einbahnstraße" sei, sondern auf Augenhöhe und wechselseitigem Respekt stattfinde.

Wollmann weiß, dass er als neuer Direktor die Ökumene nicht neu erfinden muss. Er kann zurückgreifen auf jahrzehnte- und zum Teil jahrhundertelang gewachsene Beziehungen und Kontakte zu Partnerkirchen in aller Welt. Es gibt Patenschaften auf allen Ebenen - von Gemeinden, Kirchenkreisen und ganzen Landeskirchen. Ein dichtes Netzwerk ist über den gesamten Planeten geknüpft - auch zu vielen Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), mit denen man auf vielen konkreten Gebieten zusammenarbeitet, etwa beim Fairen Handel oder dem allgegenwärtigen Klimawandel.

Es sei beeindruckend, immer wieder zu erleben, in welchem Maße sich Christen weltweit für die Schöpfung, den Frieden, die Bildung und die Schwächeren in ihren Gesellschaften einsetzen, sagt Wollmann. "Weltgestaltung" nennt er das - und in diesem Sinne könnte das Zentrum für Mission und Ökumene in Hamburg auch "Weltwerk" heißen: weil die Welt hinter dem Horizont nicht zu Ende ist.