Nordkirche und Erzbistum mit Mitglieder-Einbußen

Schwerin (epd)

Die evangelische Nordkirche und das katholische Erzbistum Hamburg haben im vergangenen Jahr erneut Mitglieder-Einbußen hinnehmen müssen. Nach den alljährlich im Sommer vorliegenden statistischen Daten wurden zum 31. Dezember 2019 in der Nordkirche 1.939.750 Mitglieder gezählt, 2018 waren es noch 1.989.330, wie die kirchliche Pressestelle am 26. Juni in Schwerin mitteilte. Die Mitgliederzahl sank damit um 2,49 Prozent (49.580) gegenüber dem Jahr zuvor. 33.336 Menschen traten 2019 aus der Nordkirche aus, 2018 waren es 27.834 - ein Anstieg um fast 20 Prozent. Zeitgleich kündigte die Nordkirche ein Sparpaket aufgrund der Corona-Einbußen an.

Die Zahl der Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg ist im gleichen Zeitraum von 398.425 auf 390.533 gesunken, ein Minus von 2,0 Prozent. Die Zahl der Kirchenaustritte ist gegenüber dem Vorjahr ebenfalls deutlich gestiegen: 2019 traten 8.360 Katholiken aus, 2018 waren es lediglich 7.014 - eine Steigerung um knapp 20 Prozent.

Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt nannte die Zahlen "ernüchternd". Insbesondere die deutlich gestiegenen Kirchenaustrittszahlen "treffen uns tief", sagte sie. Diese Zahlen würden "viele enttäuschen, die uns finanziell unterstützen, sich in unserer Kirche ehren- und hauptamtlich engagieren und dabei auch nach neuen Wegen suchen, für Menschen da zu sein".

Was viele Menschen von einer religiösen Begleitung ihres Lebens in einer christlichen Gemeinschaft erwarten, passe offenbar "nur begrenzt zu dem, was sie bei uns finden und wahrnehmen", so die Landesbischöfin. Das treffe vor allem auf die 20- bis 35-Jährigen zu, aber zunehmend auch auf die Gruppe der über 60-Jährigen.

"Auch wir leiden unter der Vertrauenskrise, in der die katholische Kirche in Deutschland steckt", sagte Erzbischof Stefan Heße. Er setze große Hoffnungen in den Reformprozess auf Bundesebene und auf eine verstärkte Kommunikation im Erzbistum, um dem Negativtrend entgegenzuwirken.

Die Nordkirche rechnet wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für 2020 mit erheblichen Einnahmeausfällen. Laut aktueller Schätzung geht sie für 2020 von Kirchensteuerreinnahmen in Höhe von 470 Millionen Euro aus, 12,3 Prozent weniger als erwartet. Im September wird eine erneute Steuerschätzung erwartet. Da die Höhe der Kirchensteuer anhand der Lohn- und Einkommenssteuer berechnet wird, sind die staatlichen Steuerschätzungen Grundlage für die Schätzung zur Kirchensteuer.

Die Nordkirche hatte auf die erwarteten Mindereinnahmen bereits mit der Einrichtung einer "Task Force Finanzen" reagiert, die Handlungsempfehlungen entwickeln soll. Für die landeskirchliche Leitung und Verwaltung gelten Sperren für die Besetzung frei werdender Personalstellen und für Beförderungen. Auch für 2021 wird mit Mindereinnahmen gerechnet.

In der Corona-Pandemie habe die Nordkirche "schnell und kreativ auf die Suche nach religiöser Orientierung reagiert", sagte Kühnbaum-Schmidt. Vor allem kurze, digitale Andachts- und Gottesdienstformate seien nahezu viermal mehr wahrgenommen worden als traditionelle Sonntagsgottesdienste vor der Corona-Pandemie. Sie hätten auch neue Kontakte zu Menschen quer durch alle Generationen erschlossen. Ebenfalls groß sei die Resonanz auf seelsorgerliche Angebote gewesen.

Die Nordkirche gehört zu den sechs größten Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie ist flächenmäßig die zweitgrößte Landeskirche, ihr Gebiet reicht von der dänischen bis zur polnischen Grenze. Zu ihr gehören rund 1.000 Kirchengemeinden mit fast 1.900 Kirchen und Kapellen.