Nordkirche: Jugend in Corona-Zeiten nicht vergessen

Bischof Jeremias wirbt auf der Landessynode für heilende Gespräche über die DDR-Vergangenheit
Kiel, Greifswald (epd)

Die evangelische Nordkirche will sich in der Corona-Pandemie stärker für die Belange junger Menschen einsetzen. In einem fast einstimmigen Beschluss appelliert die Landessynode auch an die eigenen Gemeinden, bei ihren Corona-Maßnahmen junge Menschen angemessen zu beteiligen. Der Greifswalder Bischof Tilman Jeremias widmete sich in seinem traditionellen Bischofsbericht den Verletzungen innerhalb der Kirche aus der DDR-Vergangenheit. Notwendig sei, "Gesprächsräume zu öffnen, wo bis heute Schweigen herrscht", sagte er am Sonnabend.

Die Eindämmungsmaßnahmen hätten in den Gemeinden gravierende Auswirkungen auf das Leben junger Menschen, sagte die Sylter Jugendsynodale Malin Seeland bei der Vorstellung des Antrags. Sie seien oft aber nur unzureichend in die Gemeindearbeit eingebunden. Ihr Appell: "Gehen Sie in den Austausch mit den jungen Menschen." Notwendig sei vor allem eine veränderte Haltung, die die Beteiligung von jungen Menschen als Bereicherung und nicht als Belastung sieht. Sie brauchten auch konkrete Angebote zur Bewältigung von Krisen, Trauer und psychischen Herausforderungen.

Sie mache sich große Sorgen, dass die Kirche in der Corona-Pandemie den Kontakt zu vielen jungen Menschen verlieren werde, sagte Jugendpastorin Annika Woydack. Es fehle an Gruppentreffen und Begegnungen. Dazu komme die Entwicklung, dass das Interesse von jungen Menschen an spirituellen Fragen stark abgenommen habe. Stattdessen konzentrierten sie sich auf politische Themen wie Armut, Flüchtlinge und Klimaschutz.

Bischof Jeremias warb für eine intensivere Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit. Dies gelte sowohl für die Differenzen zwischen Ost und West als auch zwischen den ehemaligen Landeskirchen Mecklenburg und Pommern. Es brauche Gelegenheiten, damit Christen sich offen ihre eigene Geschichte erzählen. "Die unterschiedlichen staatskirchenpolitischen Maximen zu DDR-Zeiten sind für manche bis heute Hinderungsgrund, aufeinander zuzugehen." Beide Seiten müssten Ängste abbauen und einander zuhören. Opfer staatlicher Willkür sollten in der Kirche Orte des Vertrauens und des Zuhörens finden.

Es gehe bei diesen Erzählungen nicht um Nostalgie, sagte Jeremias. "Es geht um unsere eigene Historie in Ost und West, um Freuden und Wunden." Der Umgang mit der eigenen Geschichte entscheide mit über die Glaubhaftigkeit und Überzeugungskraft der Kirche.

Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard hat weitere Anstrengungen beim Klimaschutz angemahnt. Die Nordkirche stehe erst am Anfang eines komplexen Umlernens in vielen Handlungsfeldern, sagte Magaard bei der Vorstellung des Klimaberichts. Die nächsten zehn Jahren würden darüber entscheiden, ob dramatische Kippeffekte im globalen Klima verhindert werden können. 2019 hat die Nordkirche mit allen Kirchenkreisen 3,3 Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen ausgegeben. Damit konnten nach eigenen Angaben 86.000.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Einstimmig wurde auch die Verfassung geändert, um die Bildung von Pfarrsprengeln zu fördern. Darin können sich mehrere Gemeinden zusammenschließen, um sich Pfarrstellen zu teilen. Beschlossen wurde auch, die Partnerschaft mit der Süd-Ohio-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika zu erneuern. Bereits zu DDR-Zeiten hatte die Landeskirche Mecklenburg 1985 die Partnerschaft begründet. Nach der Fusion zur Nordkirche wurde die Partnerschaft 2013 erneuert - allerdings befristet. Mit einem Kirchengesetz wurde die Befristung jetzt aufgehoben.

Von Thomas Morell (epd)