Ideensuche für ein architektonisches Kleinod

Studenten befassen sich mit der Kapelle am ehemaligen Gutspark in Klein Vielen
Klein Vielen (epd)

Die Jahn-Kapelle am einstigen Gutspark von Klein Vielen bei Neustrelitz ist innen und außen eingerüstet. Ein unübersehbares Zeugnis dafür, dass sich endlich etwas tut an dem achteckigen, neugotischen Kleinod am Rande des Müritznationalparks.

2015 wurde ein Förderverein für die Jahn-Kapelle gegründet. Ein Jahr später rief die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu Spenden für das zweigeschossige Ziegelsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert auf. Damals war der Hügel, auf dem die Kapelle steht, zugewachsen. Hohe Bäume verbargen das rund 19 Meter hohe Bauwerk. Im Gebäude lagen Reste der Türmchen, Steinhaufen und bröselnder Zierrat. Die Ornamente an den unteren Fenstern fehlten, die im oberen Geschoss waren stark geschädigt.

Inzwischen sind einige schadhafte Bäume gefällt worden. Die Außenhaut der Kapelle wurde für rund eine Million Euro weitgehend saniert. Dafür flossen Fördermittel von der Europäischen Union, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Doch bevor es mit den Arbeiten im Inneren weitergehen kann, muss die künftige Nutzung geklärt werden. Dies sollen jetzt Studenten voranbringen.

Vom 2. bis 7. September wird sich der 14. Studierendenworkshop des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK) mit der denkmalgeschützten Kapelle und dem Gutspark in Klein Vielen befassen. 18 Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen aus Deutschland, Lettland und Österreich werden sich vor Ort in vier Arbeitsgruppen Gedanken machen.

Dabei soll es auch um die touristische Einbindung in die Kulturlandschaft der Mecklenburger Seenplatte gehen. Denn, so das DNK, trotz der Nähe zum Nationalpark sei die Jahn-Kapelle nur wenigen bekannt. Die Ergebnisse des Workshops sollen am 7. September an der Hochschule Neubrandenburg öffentlich vorgestellt werden.

Gutsherr Eduard Rudolph Jahn (1816-1890) ließ das Gebäude um 1851/52 auf dem Klingenberg als Begräbnisstätte errichten: zu Ehren seiner Frau Johanna und seiner Tochter Sophia. Beide waren 1850 gestorben. Architekt der Kapelle war wahrscheinlich Friedrich Wilhelm Buttel (1796-1869), der Hofbaumeister im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz.

Offenbar wurde die reich mit Türmchen und Zierbändern geschmückte Jahn-Kapelle jedoch nie als Grabanlage genutzt. 1880 verkaufte Jahn das Gut. Spätestens seit den 1930er Jahren fiel die Gedenkstätte dem Vergessen anheim.

"Nach der Wende rückte die Kapelle wieder ins Bewusstsein der Einwohner", heißt es auf der Internetseite der Landesdenkmalpflege MV. 1996/97 veranlasste die Kommune Klein Vielen als Eigentümerin eine Notsicherung des Daches mit Blechplatten.

Als dieses Notdach 2018 abgenommen wurde, kamen Schutt und viele Bäumchen-Stümpfe auf den Kreuzgewölbe-Decken zum Vorschein, ist im Baustellenreport des Vereins "Klein Vielen" zu lesen. Ungefähr 100 Schubkarren Schutt wurden durch Freiwillige der Gemeinde geräumt.

Die Kommune befürworte gemeinsam mit den beiden örtlichen "Förderverein Jahn-Kapelle" und "Klein Vielen e.V." eine kulturelle Nutzung der Kapelle, sagt Hermann Behrens. Der Landschaftsplaner ist Professor an der Neubrandenburger Hochschule und hat den Studierendenworkshop konzipiert.

Führungen wurden bereits angeboten. Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals sei die Kapelle sowieso zugänglich, so Behrens. Er persönlich wünsche sich, dass dort einmal auch Trauungen und Gottesdienste "der alternativen Art" stattfinden.

Von Anne-Dorle Hoffgaard (epd)