950 kirchliche Friedhöfe in MV

Güstrow (epd)

Die Synode des evangelischen Kirchenkreises Mecklenburg hat sich auf ihrer zweitägigen Tagung am Wochenende in Güstrow schwerpunktmäßig mit aktuellen Entwicklungen in der Friedhofs- und Bestattungskultur befasst. Die 55 Synodalen beschlossen am 23. März zum Abschluss der Tagung, dass ein Ad hoc-Ausschuss dazu eine Stellungnahme erarbeiten soll. In MV gibt es rund 950 kirchliche Friedhöfe. Seit Dezember berät eine Expertenkommission des Landtages über die Neufassung des Bestattungsgsetzes in MV. Bis Ende 2019 soll sie dem Landtag einen Bericht vorlegen.

Friedhöfe seien ein wertvolles Erbe und kulturelles Gedächtnis der Städte und Dörfer, sagte des Friedhofsbeauftragte des Kirchenkreises, Reinhard Wienecke. Die Tendenz zu alternativen und pflegefreien Grabarten verstärke sich. Es gebe eine große Nachfrage nach Gemeinschaftsanlagen und Rasengräbern, zudem seien Baumbestattungen gefragt. Hier könnten kirchliche Friedhöfe gute Alternativen zu Bestattungswäldern bieten. "Der Vorteil der Ortsnähe und die in der Regel bessere Zuwegung sprechen hier für die kirchlichen Friedhöfe", sagt er.

"Als Kirche plädieren wir für eine Beibehaltung der Friedhofspflicht. Denn nur ein offizieller Friedhof sichert die Totenruhe", sagte Wienecke. Bestattungen auf Privatgrundstücken würden eine öffentliche Erinnerungskultur an Verstorbene nahezu unmöglich machen. Nicht nur die engsten Angehörigen wollten um einen Verstorbenen trauern, sondern auch Freunde, Kollegen oder frühere Partner. "Diese hätten aber nicht ohne Weiteres Zutritt zu einem privaten Gedenkort auf einem privaten Grundstück."

In seinen Abschiedsworten an die Kirchenkreissynode sagte der scheidende Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn, dass die evangelische Kirche in Mecklenburg offener geworden sei. Im öffentlichen Raum, etwa bei Dorffesten, sei Kirche heute selbstverständlich mit dabei.

Allerdings hätte er sich gewünscht, dass Pastoren noch mehr von Aufgaben der Geschäftsführung entlastet worden wären, damit sie mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen. Die 55 Synodalen bedankten sich mit Blumen und stehendem Applaus bei Maltzahn. Er wird nach nahezu zwölf Jahren, zunächst als mecklenburgischer Landesbischof und ab 2012 als Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, ab Mai Studienleiter am Predigerseminar der Nordkirche in Ratzeburg. Aus dem Dienst als Bischof verabschiedet wird er am 11. Mai (14 Uhr) im Dom zu Schwerin.

Vier Gäste aus der britischen Partnerdiözese Lichfield in der Church of England überbrachten der Kirchenkreissynode ein Grußwort von Michael Ipgrave, dem Bischof von Lichfield. "In Zeiten der politischen Trübsal gehören wir zusammen", heißt es darin. "Großbritannien mag die Europäische Union verlassen, aber nicht die europäische Familie der Nationen." Die Partnerschaft zwischen England und Mecklenburg reicht in die Zeit vor 1989 zurück. 1999 wurde zum ersten Mal ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet.

Die Diakonie in MV kritisierte in ihrem Bericht an die Synode unter anderem, dass seit mehr als zehn Jahren die öffentlichen Zuschüsse für die allgemeine soziale Beratung sowie für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung nicht erhöht wurden. Das gefährde diese Angebote. Eine Regelfinanzierung sei nicht in Sicht.

Die Schulseelsorger beobachten laut Bericht der Dienste und Werke, dass in MV zunehmend auch muslimische Kinder am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen. Zudem werde öfter Religion als Prüfungsfach zur mittleren Reife gewählt.

Geplant ist, das neue Chormusical "Martin Luther King. Ein Traum veränderte die Welt" im Jahr 2021 in der Rostocker Stadthalle aufzuführen, informierte Propst Dirk Sauermann als Vorsitzender des Kirchenkreisrates. Das Projekt der Creativen Kirche aus Westfalen wolle bewusst auch kirchlich nicht gebundene Menschen als Chorsänger und als Publikum dafür begeistern. Das Musical sei eine großartige Chance für die Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern, sich zu präsentieren und Einblicke in die Kirchenmusik zu gewähren.

Zum Kirchenkreis Mecklenburg gehören 243 Kirchengemeinden mit insgesamt rund 164.000 Gemeindegliedern sowie 84 Stadt- und 580 Dorfkirchen. Mecklenburg ist einer von 13 Kirchenkreisen der Nordkirche.