Begegnung in Moor und Lichtung: Ich seh dir in die Augen, Kleines
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Die Kreuzotter ist das Reptil des Jahres 2024
Die Kreuzotter ist das Reptil des Jahres 2024
Hannover, Stuttgart (epd).

Früher waren Fangprämien ausgesetzt, und Zehntausende Kreuzottern wurden erschlagen. Heute gilt die Schlage aus der Familie der Vipern, das Reptil des Jahres 2024, in Deutschland als „stark gefährdet“ und schutzwürdig. Wo ein Wanderer meint, eine giftige Kreuzotter erspäht zu haben, handelt es sich oft um eine Verwechslung mit der ungiftigen Schlingnatter. Ein klares Unterscheidungsmerkmal sind die Pupillen. Bei der Kreuzotter sind sie ein senkrechter Schlitz, bei der Schlingnatter rund. Ich seh dir in die Augen, Kleines ...

Am besten in gebührendem Abstand. Zwar kommen Bissunfälle in Deutschland sehr selten vor - und auch nur, wenn sich die Viper angegriffen fühlt und verteidigt. Den einzigen deutschen Todesfall infolge eines Kreuzotterbisses nach 1960 gab es 2004 auf Rügen: Eine 81-Jährige starb zwar nicht unmittelbar am Gift, aber an Herzversagen. Bisse sind für gesunde Menschen nicht tödlich, können aber schmerzhaft sein, unter anderem zu Schwellungen führen und ärztliche Hilfe erfordern. Neben der vom Aussterben bedrohten Aspisviper im Südschwarzwald ist die Kreuzotter (Vipera berus) die einzige Giftschlange Deutschlands.

Mit ihrer Wahl zum „Reptil des Jahres 2024“ sei eine „Schlange der Superlative“ ausgewählt worden, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) mit Sitz in Hannover, die den Titel vergibt. Hauptsponsor der Aktion „Reptil des Jahres 2024“ ist der zoologisch-botanische Garten Wilhelma in Stuttgart, weitere Sponsoren sind der Tiergarten Nürnberg und der Tiergarten Schönbrunn in Wien.

Die lebendgebärende Art hat laut DGHT das weltweit größte Verbreitungsgebiet aller Schlangen und siedelt in mehreren Unterarten von England bis zur russischen Insel Sachalin. Im Frühjahr sonnt sich die Kreuzotter ausgiebig, doch sie ist eine kälteliebende Art und auch jenseits des Polarkreises anzutreffen. Auf Meereshöhe lebt sie ebenso wie auf über 2.500 Metern Höhe in den Alpen.

In Deutschland ist die Kreuzotter an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern, in der Lüneburger Heide und in norddeutschen Moorlandschaften anzutreffen. Sie ist im Spessart, in der Rhön, im Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald, im Thüringer Wald und Erzgebirge, im Bayerischen Wald, im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und im Voralpenland zu finden. Ein großes Kreuzottergebiet in Bayern mit geschätzt über 100 Exemplaren liegt am Bayersoiener See im Landkreis Garmisch-Partenkirchen).

Das Zickzackband auf dem Rücken der Kreuzotter ist sehr markant. Bei den Farben gibt es viele Varianten, von Weibchen in unterschiedlichsten Brauntönen über eher hell- bis silbergraue Männchen bis zu kupferroten Tieren und Schwärzlingen, sogenannte „Höllenottern“. Die Weibchen werden bis zu 90 Zentimeter lang, die Männchen nur bis zu 60.

Die Kreuzotter ernährt sich von Mäusen, Eidechsen und Blindschleichen, Fröschen und Jungvögeln. Ihr Bedarf ist allerdings nicht hoch: Laut DGHT kommt eine ausgewachsene Kreuzotter im Jahr mit geschätzt 10 bis 15 Mäusen aus. Zu ihren Fressfeinden gehören Iltis, Steinmarder, Dachs, Fuchs und Igel sowie Greifvögel, vor allem der Mäusebussard. Auch Adler, Habicht, Rot- und Schwarzmilan jagen Kreuzottern. Ein großer Feind sind - als Allesfresser - die Wildschweine.

Die Viper ist vor allem am Tag aktiv und mag strukturreiche Heide- und Moorgebiete, Waldränder und Lichtungen. Ihre Bestände gehen in Deutschland seit Jahrzehnten zurück. Auf den Roten Listen gilt sie bundesweit sowie in Bayern und Baden-Württemberg als „stark gefährdet“, in manchen Bundesländern wie Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sogar als vom Aussterben bedroht.

Gründe dafür gibt es viele, von intensiver Landwirtschaft und Stickstoffeintrag über Bebauung und Verkehr bis zu einer für Reptilien unverträglichen Mahd von Randstreifen. Auch die Aufforstung halboffener Lebensräume kann schädlich sein. Fehlen Laichgewässer für Frösche, fehlen auch junge Frösche als Futter. Ähnlich vielfältig sind mögliche Schutzmaßnahmen, etwa das Anlegen von Steinriegeln als Unterschlupf und Winterquartier oder das Vernetzen von Lebensräumen.

Die DGHT ist nach eigenen Angaben mit über 5.000 Mitgliedern die weltweit größte Vereinigung, die sich für die Erforschung, sachkundige Haltung und Nachzucht sowie den Arten- und Naturschutz von Amphibien und Reptilien einsetzt. Seit 2006 kürt die Arbeitsgemeinschaft Feldherpetologie und Artenschutz der DGHT im Wechsel ein Reptil oder einen Lurch des Jahres.

Von Peter Dietrich (epd)