90 Luchse leben im Harz in freier Wildbahn

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90 Luchse leben im Harz in freier Wildbahn
St. Andreasberg (epd).

Gut 20 Jahre nach der Auswilderung der ersten Luchse im Harz hat sich der Bestand der Tiere gut entwickelt. Schätzungsweise 55 ausgewachsene Luchse und 35 Jungtiere streiften zurzeit durch das Gebirge und die Umgebung, berichtete die Nationalparkverwaltung am Donnerstag. Die Zahlen ergäben sich durch Aufnahmen aus Fotofallen und andere Nachweise.

Zwischen 2000 und 2006 wurden im Nationalpark Harz nach und nach insgesamt 24 Luchse - neun Männchen und 15 Weibchen - in die Freiheit entlassen. Die Pinselohren besiedeln mittlerweile ein insgesamt rund 8.000 Quadratkilometer großes Gebiet. Einige Weibchen siedelten sich etwa im Solling, im Hils und im Westerhöfer Wald im Kreis Northeim an und brachten dort auch Junge zur Welt.

Gleichwohl verläuft die Ausbreitung der Luchse über das „Stammgebiet“ Harz hinaus Experten zufolge nur langsam. Insbesondere die weiblichen Tiere schreckten oft davor zurück, den schützenden Mittelgebirgswald zu verlassen und wagten keine Wanderungen über weite offene Agrarflächen, um in das nächste größere Waldgebiet zu gelangen.

Andererseits seien weite Wanderungen von Luchsen aber unbedingt nötig, um einen genetischen Austausch zwischen den Luchsvorkommen in Deutschland und Mitteleuropa zu erreichen. Einige Populationen litten bereits unter Inzuchterscheinungen.

Als weiterer Hinderungsgrund für eine Ausbreitung der Luchse gilt der Straßenverkehr. Mehr als ein Drittel aller in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt tot aufgefundenen Luchse wurde überfahren. Untersuchungen mit sendermarkierten Luchsen zeigten zudem, dass viele Tiere bei ihren Wanderungen vor dem Überqueren von Schnellstraßen abdrehen. Auch die etwas mutigeren Luchse brauchen mitunter sehr lange, um solche Straßen zu überwinden.