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Weltkindertag: Initiativen fordern mehr Engagement für Heranwachsende
Osnabrück, Hannover (epd).

Anlässlich des Weltkindertages am Dienstag (20. September) fordern verschiedene Verbände Verbesserungen für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen. So ruft das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes die Bundesregierung auf, im Koalitionsvertrag angekündigte Verbesserungen beim Familiennachzug für Geflüchtete zügig umzusetzen. „Wir erwarten, dass die Bundesregierung ihren Versprechungen zur Verwirklichung des Grundrechts auf Familienleben für Geflüchtete oberste Priorität einräumt“, sagte Beat Wehrle, Vorstandssprecher von terre des hommes am Montag in Osnabrück.

Nach derzeitiger Rechtspraxis können unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zwar ihre Eltern, nicht aber ihre Geschwister nachziehen lassen. Diese Form von Familientrennung sei für viele Kinder und Jugendliche eine starke psychische Belastung, die negative Folgen für ihre weitere Entwicklung haben könne, sagte Werhle. Sowohl das Völkerrecht als auch das Grundgesetz verpflichteten Deutschland dazu, das Recht auf Familie zu schützen und das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen. Im deutschen Familienrecht werde das Verhältnis von Geschwistern bereits unter einen besonderen rechtlichen Schutz gestellt. Es sei nicht länger hinzunehmen, dass das beim Nachzug der Geschwister von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nicht gelte.

Der Paritätische Niedersachsen wies unterdessen auf die massive Armutsbedrohung von Kindern und Jugendlichen auch in Niedersachsen hin. So seien ständiger Verzicht und der Ausschluss von sozialer Teilhabe für jedes fünfte Kind im Bundesland traurige Realität. Etwa 21 Prozent der rund 1,35 Millionen Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen sind den Angaben zufolge bereits armutsgefährdet. Die aktuelle Krise lasse befürchten, dass sich diese Zahl in den nächsten Monaten noch deutlich erhöhen werde.

Der Paritätische und der Deutscher Kinderschutzbund forderten die Politik daher dazu auf, ungeachtet anstehender Wahlen energische Schritte zu unternehmen, armutsbetroffene Kinder zu unterstützen und weitere Familien vor dem Abrutschen in die Armut zu bewahren. „Ihre eigene soziale Lage ist für die Kinder und Jugendlichen Schicksal“, erläuterte Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Erst mit zunehmendem Alter kommen sie allmählich in die Lage, ihre Situation kurz- und mittelfristig zu verändern.“

Die Bedingungen im Elternhaus wirken sich Tack zufolge nachhaltig auf die Schul- und Bildungserfolge sowie auf die psychische und physische Gesundheit aus. Und damit auf die Lebensperspektive: Nur 22 Prozent der Kinder, die in Armut aufwachsen, führten später ein Leben fernab von sozialen Nöten.