Stiftung: Krebs verändert Leben auch nach Heilung gravierend

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Krebsvorsorge_Meine
Rocksänger Klaus Meine ruft zur Vorsorge auf
Hannover (epd)

"Mit der Krebsdiagnose war mein vorheriges Leben und damit alles, wofür ich all die Jahre gearbeitet hatte, verloren", sagt Sascha Urban. Als er vor drei Jahren die Diagnose Hodenkrebs bekam, hatte sich der damals 36-Jährige als Tischler gerade selbstständig gemacht. Was folgte, war ein harter Kampf gegen den Tumor - mit viel Chemo und einer Stammzellen-Transplantation. "Von heute auf morgen hatte ich kein Einkommen mehr, musste aber die Miete und alles andere weiterzahlen", berichtete Urban am Donnerstag in Hannover beim fünften "German Cancer Survivors Day". Mit der Aktion wollte die Niedersächsische Krebsstiftung auf die zahlreichen Schwierigkeiten aufmerksam machen, die Menschen nach einer überstandenen Krebs-Erkrankung erwarten.

Urban erholte sich langsam von der anstrengenden Therapie, doch dann kam der Krebs zurück. Anfang dieses Jahres entschied er sich deshalb für eine größere Operation. Seine Werte sind jetzt wieder gut. Dennoch ist der Hannoveraner weit davon entfernt, sein altes Leben weiterführen zu können. "Ich habe einen ganz großen Kinderwunsch", sagt er. Für eine jährliche Gebühr von 400 Euro habe er seine Spermien einfrieren lassen. Die Krankenkassen übernähmen die Kosten dafür allerdings nicht. "Dabei hätte ich mir auch sehr gewünscht, dass es auf dem natürlichen Weg klappt."

Der "Deutsche Tag der Krebsüberlebenden" war 2015 von der Deutschen Krebsstiftung ins Leben gerufen worden. Bei der Aktion in Hannover appellierte der Rocksänger Klaus Meine (71) an die Menschen, regelmäßig zur Krebsvorsorge zu gehen: "Vorbeugen ist besser als Heilen." Er habe bereits enge Freunde durch Leukämie und Prostata-Krebs verloren, sagte der Frontmann der Rockband "Scorpions". Meine warb für auch einen gesunden Lebensstil. Der Sänger fungiert seit 2012 als Schirmherr der Niedersächsischen Krebsstiftung.

Nach Angaben der Stiftung leben in Niedersachsen rund 250.000 Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren eine Krebsdiagnose erhalten haben. Deutschlandweit sind es 4,4 Millionen. Jährlich erkrankten landesweit 49.000 Menschen neu an Krebs. Die am häufigsten betroffenen Organe sind dabei Brust, Darm, Prostata und Lunge. Neuesten Studien zufolge bekomme bundesweit fast jeder Zweite in seinem Leben Krebs, hieß es. Durch den medizinischen Fortschritt überlebten mittlerweile immer mehr Betroffene die Erkrankung. Vor allem bei Krebs an Brust, Darm und Prostata sowie bei Kinder-Leukämie habe sich die Prognose verbessert.

"Das heißt auch, dass wir dem Leben mit und nach dem Krebs mehr Beachtung schenken müssen", sagt der niedersächsische Landesvorsitzende der Stiftung, der Arzt Peter Meier vom diakonischen Henriettenstift in Hannover. Denn oft würden Probleme verharmlost: "Die Patienten gelten für ihr Umfeld als geheilt." Dabei habe sich durch die Krankheit, aber auch durch die Therapie und die Nebenwirkungen, ihr Leben stark verändert. Viele Tätigkeiten, die sie vor der Krebsdiagnose ausgeübt hätten, seien nicht mehr ohne weiteres möglich.

Sascha Urban sagt, es sei deshalb sehr wichtig, dass Menschen nach einer derart schweren Krankheit nicht alleingelassen würden. Nachdem er den Krebs überstanden hatte, kam Urban mit seiner jetzigen Freundin "mit Kind und Hund" zusammen. "Und jeder Tag macht ganz viel Spaß mit ihr". (6304/06.06.19)

Von Cristina Marina (epd)