Sozialverband testet Post auf Barrierefreiheit

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Der Sozialverband Deutschland in Niedersachsen hat mehr Barrierefreiheit in den Postagenturen angemahnt.
Hannover (epd).

Der Sozialverband Deutschland in Niedersachsen hat mehr Barrierefreiheit in den Postagenturen angemahnt. Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai habe der Verband die Postagenturen getestet und dabei mehrere Mängel festgestellt, wie der Verband am Montag in Hannover mitteilte. Viele Postagenturen - besonders in Supermärkten oder Kiosken - könnten von Rollstuhlfahrern und blinden Menschen nicht genutzt werden. Getestet wurde in rund 80 Agenturen unter anderem in den Landkreisen Celle, Diepholz, Hannover, Leer, Lüneburg, Göttingen und im Emsland.

Das Problem: In vielen Regionen gebe es keine offiziellen Postfilialen mehr. Stattdessen werde der Service an private Unternehmen vergeben, hieß es. Die Barrierefreiheit werde dabei oftmals nicht berücksichtigt. Bei den Testbesuchen sei besonders auf Anfahrt, Eingang, Orientierung und die Ausstattung geachtet worden. „Das Ergebnis: Es besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf.“

Insbesondere fehlten taktile Leitsysteme, die blinden oder von einer Sehbehinderung beeinträchtigten Menschen die Orientierung erleichtern könnten, hieß es weiter. Auch der barrierefreie Zugang für Rollstühle lasse zu wünschen übrig: Zwar könnten die meisten Filialen mit dem Rollstuhl befahren werden, doch seien absenkbare Verkaufstresen oder unterfahrbare Beratungsplätze nur selten vorhanden.

Der Vorsitzende des Sozialverbandes, Bernhard Sackarendt, forderte eine Ausweitung des Barrierefreiheitsgesetzes. Derzeit beziehe es sich nur auf digitale Dienstleistungen und sei etwa in den Postfilialen nicht wirksam. Das führe dazu, dass Menschen mit Behinderung von der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen seien.

Sackarendt forderte, auch die Privatwirtschaft gesetzlich zur Barrierefreiheit zu verpflichten. Bis es soweit sei, appelliere der Sozialverband an die Eigenverantwortung der Unternehmen. „Die Deutsche Post sollte nicht nur in ihren eigenen Filialen für einen Zugang ohne Barrieren sorgen, sondern auch in denen ihrer Franchise-Agenturen“, betonte Sackarendt.