Rettungsdienste beklagen Bettenschließungen auf Intensivstationen

Hannover, Northeim (epd)

In der Diskussion um die immer häufiger geschlossenen Intensivstationen haben nun auch die Rettungsdienste von vermehrten Problemen berichtet. Die Notärzte und Notfallsanitäter müssten mitunter weite und zeitraubende Entfernungen zurücklegen, um ihre Patienten an ein geeignetes Krankenhaus übergeben zu können, sagte der Rettungsdienstleiter des ASB-Kreisverbandes Northeim/Osterode, Sven Obermann, am Mittwoch dem epd. Statt der üblichen einen Stunde könne sich die Einsatzzeit schnell auf bis zu zweieinhalb Stunden ausweiten.

Insbesondere in den ländlichen Regionen könnten die örtlichen Krankenhäuser oft keine Intensiv-Patienten mehr aufnehmen. "Dann potenziert sich der ohnehin vorhandene Stress im Rettungswagen", sagte Obermann. Die Rettungsdienste müssten dann erst nach einem passenden Krankenhaus suchen und herum telefonieren. In den größeren Städten sei die Lage entspannter, weil dort mehr Kliniken stünden.

Oliver Peters vom Malteser-Rettungsdienst in Vechta sagte, wenn es jedoch "hart auf hart" komme, seien glücklicherweise alle Akut-Krankenhäuser verpflichtet, eine Notbelegung durch einen Notarzt oder Notfallsanitäter zu akzeptieren. Dann könnten die Patienten zumindest so weit stabilisiert werden, dass sie in ein weiter entferntes Krankenhaus transportiert werden könnten. "Wir tun unser bestes - aber die Politik muss sich fragen, wie unser an sich gutes Gesundheitssystem weiterbestehen kann", unterstrich Peters.

Auch die Sprecherin der Johanniter-Unfallhilfe in Niedersachsen, Frauke Engel, sprach von eine Zuspitzung der Lage. Sie machte vor allem den Fachkräftemangel in den Krankenhäusern für die Situation verantwortlich. Oft genug gebe es zwar freie Intensivbetten aber keine Fachkräfte, die sich um die Patienten kümmern könnten.

Das NDR-Politikmagazin "Panorama 3" hatte am Dienstag über zunehmende Engpässe bei der Notfallversorgung in Niedersachsen und Bremen berichtet. Die Lage habe sich in den Kliniken der beiden Bundesländer im Jahr 2019 gegenüber 2018 deutlich verschärft. Recherchen hätten ergeben, dass die Kliniken in Bremen innerhalb von vier Monaten am Jahresende in 66 Prozent der Gesamtzeit ihre Intensivstationen abgemeldet hätten. In der Region Hannover habe die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivbetten bei 32, für die internistischen bei 53 Prozent gelegen. (2195/12.02.20)