Gedichte vor der Dönerbude: Kunsthalle thematisiert Barrierefreiheit

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Gedichte vor der Dönerbude: Kunsthalle thematisiert Barrierefreiheit
Osnabrück (epd).

Die Kunsthalle Osnabrück widmet sich vom 26. Juni bis 27. Februar 2022 dem Jahresthema Barrierefreiheit. Internationale Künstlerinnen und Künstler werden der Frage nachgehen, „wessen Freiheit ist die Norm“, teilte die Kunsthalle am Mittwoch mit. Sie wollen mit Ausstellungen, die zum Teil gleichzeitig gezeigt werden, die Barrierefreiheit in der Kunst, im Kulturbetrieb und in der Gesellschaft auf den Prüfstand stellen. So sollen Räume für alle geschaffen werden, in denen niemand wegen einer Behinderung, der Herkunft, der sexuellen Orientierung oder des sozialen Status diskriminiert werde.

Die Exponate, Installationen, Skulpturen und Filme werden im Innenhof, im Foyer, im Kirchenschiff und im Kreuzgang der ehemaligen Klosterkirche zu sehen und zu hören sein. Die Kirche dient seit 1993 als Kunsthalle. Auch ein Döner-Restaurant soll im laufenden Betrieb zum Ausstellungsort werden.

Die US-Amerikanerin Alison O'Daniel, die selbst eine Hörbeeinträchtigung hat, wird den Angaben zufolge Filme, Skulpturen und Klanginstallationen im Kirchenschiff präsentieren. Für ihre Kunst arbeitet sie mit hörenden, gehörlosen und schwerhörigen Menschen zusammen. Zu sehen ist vom 26. Juni bis 3. Oktober unter anderem ein Teppich, den sie hergestellt hat, nachdem ihr Osnabrückerinnen und Osnabrücker ihre Klangeindrücke während eines Besuches in dem leeren Kirchenschiff geschildert haben. Der Titel der Schau ist „I felt people dancing“ (Ich fühlte, wie die Leute tanzen)

Anna Erdmann und Franziska Goralski, die als „die Blaue Distanz“ zusammenarbeiten, werden vom 26. Juni bis 27. Februar Filme präsentieren, die sie in verschiedene Sprachen und auch in Gebärdensprache und Brailleschrift übersetzt haben. Die Schweizerin Sandra Röthlisberger hat im Kirchenschiff Altäre, Grabsteine und Blumenvasen aufgebaut. Sie sollen an die Hexenverfolgung in Osnabrück im 16. und 17. Jahrhundert erinnern. Die Schau mit dem Titel „Sabbatum Fever“ vom 26. Juni bis 3. Oktober wird in ähnlicher Form mit lokalem Bezug auch in der Shedhalle in Zürich gezeigt.

Die in Berlin lebenden irisch/polnischen Künstler:innen Slavs und Tatars wollen in und vor einem Döner-Restaurant Gedichte und Texte vortragen und mit Gästen ins Gespräch kommen. Weitere Ausstellungen sind ab Oktober und November geplant.